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Sarvabhauma Bhattacarya wid überzeugt

Für die Unpersönlichkeitsphilosophen und die Anhänger der Philosophie der Leere ist das Leben nach dem Tod ein Leben der sinnlosen Ewigkeit und Glückseligkeit. Die Philosophen, die die Lehre vom Nichts vertreten, wollen beweisen, dass letzten Endes alles sinnlos ist, und die Unpersönlichkeitsanhänger behaupten, im nächsten Leben gebe es nur Wissen ohne jede Aktivität. Mit dieser Argumentation versuchen die nach Befreiung strebenden Unpersönlichkeitsanhänger, deren Intelligenz dürftig ist, unvollkommenes Wissen in die Sphäre vollkommener spiritueller Tätigkeiten zu bringen. Weil die Unpersönlichkeitsanhänger die Erfahrung gemacht haben, dass materielle Tätigkeiten leidvoll sind, möchten sie zeigen, dass es im spirituellen Leben keine Aktivität gibt. Sie verstehen die Tätigkeiten des hingebungsvollen Dienens nicht. Für die Nihilisten und die Unpersönlichkeitsanhänger ist das spirituelle Handeln im hingebungsvollen Dienst völlig unverständlich. Die Vaisnava-Philosophen wissen genau, dass die Absolute Wahrheit, die Höchste Persönlichkeit Gottes, niemals etwas Unpersönliches oder ein Nichts sein kann, denn Sie besitzt zahllose Energien. Diese ermöglichen es Ihr, Sich in zahllosen Formen zu zeigen und trotzdem die Absolute Höchste Persönlichkeit Gottes zu bleiben. Der Herr kann also Seine transzendentale Position behalten, obwohl Er Sich in Milliarden von Formen erweitert und unzählige Energien ausstrahlt.

Auf diese Weise zeigte Sri Caitanya viele Mängel an der Mayavadi-Philosophie auf, und obwohl Bhattacarya seinen Standpunkt mit Logik und Wortspielereien durchzusetzen versuchte, gelang es Sri Caitanya, seine Argumente zu widerlegen und den Sieg in der Diskussion davonzutragen. Der Herr bewies, dass uns die vedische Literatur drei Dinge ermöglichen soll: das Verstehen unserer Beziehung zur Absoluten Persönlichkeit Gottes, das Handeln gemäß diesem Verständnis und das Erlangen der höchsten Vollkommenheit des Lebens, Liebe zu Gott. Jeder, der zu beweisen versucht, dass die vedischen Schriften auf etwas andere hinizelen, wird unweigerlich zu einem Opfer seiner eigenen Einbildung.

Als nächstes zitierte der Herr einige Verse aus den Puranas, mit denen Er belegte, dass Sankaracarya seine Doktrin im Auftrag der Höchsten Persönlichkeit Gottes gelehrt hatte. Er zitierte einen Vers aus dem Padma Purana (62.31), in dem es heißt, dass der Herr Mahadeva, Siva, beauftragte, die vedischen Schriften auf irreführende Weise zu interpretieren, um die Menschen vom eigentlichen Sinn und Zweck der Veden abzulenken. Der Herr sprach: "Versuche, sie so zu Atheisten zu machen. Wenn sie gottlos geworden sind, werden sie immer mehr Nachkommen zeugen." An einer anderen Stelle im Padma Purana (25.9) heißt es, dass Siva seiner Frau Parvati erklärte, dass er im Zeitalter des Kali in der Gestalt eines brahmana kommen werde, um eine unvollkommene Interpretation der Veden, die sogenannte Mayavadi-Philosophie, zu propagieren, die in Wirklichkeit nichts weiter ist als eine zweite Ausgabe der atheistischen Philosophie Buddhas.

Nachdem Bhattacarya diese Erklärung Sri Caitanyas zur Mayavadi-Philosophie vernommen hatte, war er vor Erstaunen sprachlos. Er saß eine Zeitlang stumm da, bis ihn Sri Caitanya schließlich aufmunterte: "Mein lieber Bhattacarya, lass dich von dieser Erklärung nicht aus der Fassung bringen. Bitte glaube Mir, dass hingebungsvoller Dienst für den Höchsten Herrn die höchsten Stufe der Vollkommenheit ist, die der Mensch erreichen kann. Tatsächlich ist hingebungsvoller Dienst so anziehend, dass selbst diejenigen, die bereits Befreiung erlangt haben, durch die unbegreifliche Macht der Höchsten Persönlichkeit Gottes Gottgeweihte werden."

Dafür gibt es in den vedischen Schriften viele Beispiele. Im berühmten atmarama-Vers des Srimad-Bhagavatam (1.7.10) heißt es, dass selbst Unpersönlichkeitsanhänger, die nach Selbstverwirklichung streben und die von allen materiellen Anhaftungen befreit sind, vom hingebungsvollen Dienst angezogen werden, wenn sie von den verschiedenen Taten Sri Krsnas hören. So mächtig sind die transzendentalen Eigenschaften der Höchsten Persönlichkeit Gottes.

Im reinen Bewusstsein betrachtet sich das Lebewesen als der ewige Diener des Höchsten Herrn. Im Bann der Illusion hält es sich für den grobstofflichen und den feinstofflichen Körper; diese Vorstellung bildet die Grundlage der Lehre von der Umwandlung. In Wirklichkeit ist das Teilchen des Höchsten nicht ewig gezwungen, in grobstofflichen und feinstofflichen Körpern zu leben. Die grob- und feinstofflichen Bedeckungen des Lebewesens bilden nicht seine ewige Gestalt; sie können verändert werden. Mit anderen Worten, das Lebewesen, das ursprünglich rein spirituell ist, kann vom grobstofflichen und feinstofflichen Körper bedingt werden und - wenn es sich aus dieser Bedingtheit befreit - seine ursprüngliche, rein spirituellen Position zurückerlangen. Die Mayavadi-Philosophen machen sich diese Lehre von der Umwandlung zunutze, indem sie sagen, das Lebewesen unterliege einer Täuschung, wenn es denke, es sei ein Teilchen des Höchsten. Sie behaupten, das Lebewesen sei der Höchste Herr Selbst. Diese Doktrin ist unhaltbar.

Sarvabhauma Bhattacarya bat Sri Caitanya schließlich, den berühmten atmarama-Vers zu erklären, denn er wollte hören, wie ihn der Herr Selbst erläutern würde. Darauf antwortete Sri Caitanya, Bhattacarya solle den Vers zuerst selbst erklären - so, wie er ihn verstehe - und anschließend werde Er ihn erläutern. Daraufhin begann der Bhattacarya, den atmarama-sloka mit Hilfe der gebräuchlichen Logik und Grammatik auf neun verschiedene Arten zu erklären. Der Herr wusste seinen gelehrten Vortrag zu würdigen und sagte "Mein lieber Bhattacarya, Ich weiß, dass du du genauso gelehrt bist wie der große Brhaspati und dass du jeden Teil der sastras wortgewandt erklären kannst. Dennoch beruht deine Erklärung mehr oder weniger nur auf akademischer Bildung. Neben dieser akademischen, gelehrten Betrachtungsweise gibt es jedoch noch eine andere Art der Erklärung."

Darauf begann Sri Caitanya, auf die Bitte Bhattacaryas hin, den atmarama-sloka zu erklären. Er zerlegte den Vers in folgende Worte: (1) atmaramah, (2) ca, (3) munayah, (4) nirgranthah, (5) api, (6) urukrame, (7) kurvanti, (8) ahaitukim, (9) bhaktim, (10) itthambhuta-gunah, (11) harih. Dieser Vers wurde bereits im Verlauf der Unterweisung Sanatana Gosvamis erklärt. Sri Caitanya streifte die neun verschiedenen Versionen Bhattacaryas nicht einmal, sondern erklärte den Vers statt dessen, indem er seine elf Bestandteile analysierte. Auf diese Weise kam Er schließlich auf einundsechzig verschiedene Erklärungsmöglichkeiten des Verses. Die Essenz Seiner Ausführungen war, dass die Höchste Persönlichkeit Gottes unzählige Kräfte in Sich birgt; niemand kann ermessen, wie viele transzendentale Eigenschaften der Herr besitzt. Seine Eigenschaften sind immer unbegreiflich, und alle Vorgänge der Selbstverwirklichung versuchen, die Kräfte, Energien und Eigenschaften der Höchsten Persönlichkeit Gottes zu erforschen. Die Geweihten des Herrn jedoch erkennen von vornherein an, dass die Position des Herrn unergründlich und unbegreiflich ist. Sri Caitanya erklärte, dass selbst große Seelen wie die Kumaras und Sukadeva Gosvami von den transzendentalen Eigenschaften des Höchsten Herrn fasziniert wurden. Bhattacarya konnte über Sri Caitanyas Erklärung nur staunen, und er kam zu dem Schluss, dass Sri Caitanya kein anderer war als Krsna Selbst. Er begann sich selbst zu erniedrigen, indem er bekannte, dass er Sri Caitanya zuerst für einen gewönlichen Menschen gehalten und deshalb ein Vergehen begangen habe. Dann warf er sich zum Zeichen seiner Reue vor den Lotosfüßen Sri Caitanyas nieder und bat den Herrn, ihm Seine grundlose Barmherzigkeit zu erweisen. Sri Caitanya gefiel die Demut dieses großen Gelehrten, und Er zeigte ihm deshalb zuerst Seine vierarmige und dann Seine sechsarmige Gestalt (sadbhuja). Daraufhin fiel Sarvabhauma Bhattacarya dem Herrn immer wieder zu Füßen und verfasste verschiedene Gebete zu Seiner Lobpreisung. Er war zweifellos ein großer Gelehrter, und nachdem ihm die grundlose Barmherzigkeit des Herrn zuteil geworden war, war er fähig, die Taten des Herrn auf verschiedene Weise zu lobpreisen. Er war sogar in der Lage, sich dem Vorgang des Chantens von Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare zuzuwenden.

Es wird gesagt, dass Sarvabhauma Bhattacarya hundert Verse verfasste, mit denen er die Taten des Herrn pries, und diese Verse waren so vollendet, dass nicht einmal Brhaspati, der größte Gelehrte auf dem den himmlischen Planeten, schönere Gebete hätte verfassen können. Dem Herrn gefielen die hundert Verse sehr, und in Seiner Freude umarmte Er Bhattacarya. Als Er Sarvabhauma Bhattacarya berührte, wurde dieser von Ekstase übermannt und verlor praktisch das Bewusstsein. Er weinte, zitterte, bebte, schwitzte und tanzte, sang und warf sich vor den Lotosfüßen Sri Caitanyas zu Boden. Sein Schwager Gopinatha Acarya und die anderen Geweihten des Herrn waren erstaunt, als sie sahen, dass der Bhattacarya zu einem großen Gottgeweihten geworden war.

Daraufhin begann Gopinatha Acarya dem Herrn zu danken: "Nur Deiner Gnade ist es zu verdanken, dass Bhattacarya von einem Menschen mit einem Herz wie Stein zu solch einem großen Gottgeweihten geworden ist." Hierauf antwortete Sri Caitanya Gopinatha Acarya, dass der Faktor, der einen steinähnlichen Menschen in einen sanften, blumengleichen Gottgeweihten verwandeln könne, die Gunst eines Gottgeweihten sei. Der wahre Grund, warum Bhattacarya ein Geweihter des Herrn geworden sei, so sagte der Herr, sei der Umstand, dass sich Gopinatha Acarya dies aufrichtig gewünscht habe. Er hatte sich aufrichtig gewünscht, dass der Herr Bhattacarya Seine Gunst schenke, und er freute sich, als er sah, dass Sri Caitanya seinen Wunsch erfüllt hatte. Ein Geweihter des Herrn ist, mit anderen Worten, barmherziger als der Herr Selbst. Wenn ein Gottgeweihter einem Menschen Barmherzigkeit erweisen möchte, greift der Herr ein, und der besagte Mensch wird durch Seine Gnade ein Gottgeweihter.

Sri Caitanya beruhigte Bhattacarya und bat ihn, nach Hause zu gehen. Darauf begann Bhattacarya noch einmal, den Herrn zu preisen, und sagte: "Du bist aus der spirituellen Welt herabgekommen, um alle gefallenen Seelen der materiellen Welt zu retten. Dies ist für Dich keine besonders große Schwierigkeit, aber dennoch ist es wahrhaft erstaunlich, dass Du einen hartherzigen Menschen wie mich zu einem Gottgeweihten gemacht hast. Ich war zwar ein Meister im logischen Argumentieren und im grammatikalischen Erklären der Veden, aber mein Herz war so hart wie ein Stück Eisen. Dein Einfluss war jedoch so stark und Deine Wärme so groß, dass Du mein eisernes Herz schmelzen konntest."

Hierauf kehrte Sri Caitanya in Sein Quartier zurück, und Bhattacarya ließ Ihm durch Gopinatha Acarya verschiedene prasada-Zubereitungen aus dem Jagannatha-Tempel bringen. Am nächsten Tag ging der Herr früh am Morgen zum Jagannatha-Tempel, um an der mangala arati teilzunehmen. Die Priester im Tempel reichten Ihm eine Girlande, die die Bildgestalt getragen hatte, und boten Ihm außerdem verschiedene Arten von prasada an. Der Herr nahm die Gaben mit Freude an und begab Sich darauf sofort zum Haus Bhattacaryas, um diesem das prasada und die Blumen zu bringen. Es war zwar früh am Morgen, doch als Bhattacarya begriff, dass der Herr gekommen war und an seine Tür klopfte, stieg er sofort aus dem Bett, wobei er den Namen Krsnas chantete. Er chantete so laut "Krsna, Krsna", dass ihn Sri Caitanya hören konnte. Als Bhattacarya die Türe öffnete, sah er den Herrn vor sich stehen, und da er sich sehr freute, Ihn bereits am frühen Morgen sehen zu dürfen, versuchte er Ihn so herzlich und zuvorkommend wie möglich zu empfangen. Er bot Ihm einen bequemen Sitzplatz an, und beide setzten sich. Dann überreichte ihm Sri Caitanya das prasada, das Er im Tempel Jagannathas bekommen hatte, und Bhattacarya freute sich sehr, direkt aus den Händen Sri Caitanyas prasada entgegennehmen zu dürfen. Er begann sofort zu essen, obwohl er noch nicht einmal sein Bad genommen, seine Zähne geputzt und seine Morgenpflichten verrichtet hatte. Auf diese Weise wurde er von aller materiellen Verunreinigung und Anhaftung frei, und während er das prasada zu essen begann, zitierte er einen Vers aus dem Padma Purana. Im Padma Purana heißt es, dass man prasada sofort essen muss, wenn man es bekommt, selbst wenn es sehr trocken und alt ist oder von einem weit entfernten Ort gebracht wurde, und auch dann, wenn man seine täglichen Pflichten noch nicht beendet hat. Da es in den sastras heißt, dass man prasada sofort zu sich nehmen sollte, braucht man auf Zeit und Ort keine Rücksicht zu nehmen; die Anweisung der Höchsten Persönlichkeit Gottes muss befolgt werden. Bevor man von fremden Menschen Essen annimmt, sind bestimmte Einschränkungen zu beachten, doch prasada kann man von jedem annehmen, ohne sich dabei um Regeln oder Einschränkungen kümmern zu müssen. Prasada ist immer transzendental und darf jederzeit und überall gegessen werden. Sri Caitanya freute Sich sehr, als Er sah, dass Bhattacarya, der früher alle Regeln und Regulierungen aufs peinlichste befolgt hatte, jetzt das prasada aß, ohne sich um irgendwelche Gebote oder Verbote zu kümmern. In Seiner Freude umarmte Sri Caitanya Bhattacarya, woraufhin beide in transzendentaler Ekstase zu tanzen begannen. Überwältigt von Ekstase, rief Sri Caitanya: "Meine Mission in Jagannatha Puri ist jetzt erfüllt! Ich habe einen Menschen wie Sarvabhauma Bhattacarya bekehrt. Nun werde Ich bestimmt fähig sein, Vaikuntha ohne Fehl zu erreichen."

Das Ziel eines Gottgeweihten ist es, andere zu Gottgeweihten zu machen. Gelingt es ihm, auch nur einen Menschen zu einem reinem Gottgeweihten zu machen, betrachtet er seine Mission schon als erfolgreich, denn dies garantiert, dass er in das spirituelle Königreich eingelassen werden wird. Der Herr freute Sich so sehr über Bhattacarya, dass Er ihn immer wieder segnete: "Lieber Bhattacarya, jetzt bist du ein völlig reiner Geweihter Sri Krsnas, und Sri Krsna ist jetzt sehr zufrieden mit dir. Von heute an bist du von der Verunreinigung des materiellen Körpers und von der Verstrickung in die materielle Energie frei. Du bist jetzt qualifiziert für die Rückkehr zu Gott, in deine wahre Heimat." Daraufhin zitierte der Herr einen Vers aus dem Srimag-Bhagavatam (2.7.42):

yesam sa eva bhagavan dayayed anantah
sarvatmanasrita-pado yadi nirvyalikam
te dustaram atitaranti ca deva-mayam
naisam mamaham-iti dhih sva-srgala-bhaksye

"Jeder, der rückhaltlos bei den Lotosfüßen des Höchsten Herrn, den man den Unbegrenzten nennt, Zuflucht sucht, erlangt dessen Gunst. Solch einem Menschen wird es auch gestattet, den Ozean der Unwissenheit zu überqueren. Denkt jemand jedoch, er sei der materielle Körper, so kann er die grundlose Barhmherzigkeit der Höchsten Persönlichkeit Gottes nicht erlangen."

Daraufhin kehrte Sri Caitanya in Sein Quartier zurück, und von diesem Tag an war Bhattacarya ein reiner und makelloser Gottgeweihter. Da Bhattacarya früher ein großer Akademiker und Gelehrter gewesen war, hatte er nur durch die grundlose Gnade Caitanya Mahaprabhus bekehrt werden können. Von Seiner Bekehrung an erklärte Bhattacarya nie wieder eine vedische Schrift, ohne hingebungsvollen Dienst zu erklären. Gopinatha Acarya, sein Schwager, freute sich so sehr über den Wandel, der sich in Bhattacarya vollzogen hatte, dass er in Ekstase zu tanzen begann und die transzendentale Klangschwingung Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare sang.

Am nächsten Tag besuchte Bhattacarya Sri Caitanya, nachdem er früh am Morgen den Jagannatha-Tempel besucht hatte, und erwies dem Herrn Ehrerbietungen, indem er Ihm zu Füßen fiel. Daraufhin begann er sich zu beklagen, wie schlecht er sich benommen habe. Als er den Herrn bat, etwas über hingebungsvollen Dienst zu sagen, erklärte der Herr ausführlich einen bestimmten Vers aus dem Brhan-naradiya Purana (harer nama harer nama). Während Bhattacarya der Erklärung des Herrn lauschte, geriet er immer mehr in Ekstase. Als sein Schwager Gopinatha Acarya dies bemerkte, sagte er: "Mein lieber Bhattacarya, früher einmal habe ich gesagt, dass ein Mensch, dem die Gunst des Höchsten Herrn zuteil weird, die Techniken des hingebungsvollen Dienstes verstehen wird. Heute habe ich dies tatsächlich miterlebt."

Bhattacarya brachte Gopinatha Acarya darauf Ehrerbietungen dar und antwortete: "Mein lieber Gopinatha Acarya, deiner Barmherzigkeit habe ich es zu verdanken, dass mir die Barmherzigkeit des Höchsten Herrn zuteil wurde." Die Barmherzigkeit der Höchsten Persönlichkeit Gottes kann man durch die Barmherzigkeit eines reinen Gottgeweihten erlangen. Sri Caitanyas Barmherzigkeit wurde Bhattacarya wegen Gopinatha Acaryas Bemühung zuteil. "Du bist ein großer Geweihter des Herrn", fuhr Bhattacarya fort, "und ich war ganz blind, weil mich meine akademische Bildung stolz gemacht hatte. Ja, die Gnade des Herrn habe ich nur dank deiner Hilfe erlangt." Sri Caitanya war sehr erfreut, als Er Bhattacarya sagen hörte, das man die Gnade des Herrn nur über die Vermittlung eines Gottgeweihten erlangen kann. Sri Caitanya umarmte Bhattacarya und bestätigte so die Richtigkeit seiner Aussage.

Dann bat der Herr Bhattacarya, wieder zum Jagannatha-Tempel zu gehen, was dieser dann auch tat. Zwei der engsten Gefährten Sri Caitanyas, Jagadananda und Damodara, begleiteten ihn. Als Bhattacarya nach dem Besuch des Jagannatha-Tempels nach Hause zurückkehrte, brachte er viel prasada mit, das er im Tempel gekauft hatte. Dieses prasada ließ er durch seinen brahmana-Diener Sri Caitanya bringen. Außerdem bat er Jagadananda, er möge ihm einen Gefallen tun und Sri Caitanya zwei Verse bringen, die er auf Palmblätter geschrieben hatte. Sri Caitanya erhielt also das prasada und die beiden Verse, doch bevor die Geschenke beim Herrn anlangten, schrieben Mukunda Datta, der Jagadananda begleitete, die beiden Verse ab. Als Sri Caitanya die beiden Verse las, riss er die beiden Palmblätter in Stücke, denn Er liebte es nicht, von anderen gepriesen zu werden. Der Inhalt dieser Verse ist uns nur deshalb bekannt, weil Mukunda Datta sie vorher abgeschrieben hatte. In diesen Versen wurde Sri Caitanya als die Höchste Persönlichkeit Gottes verherrlicht, die herabgestiegen war, um die Menschheit Loslösung, transzendentales Wissen und hingebungsvollen Dienst zu lehren. Sri Caitanya wurde als die ursprüngliche Persönlichkeit Gottes gepriesen und mit einem Ozean von Barmherzigkeit verglichen. Die Verse lauteten: "Ihm, Sri Caitanya Mahaprabhu, möchte ich mich ergeben. Als der Herr sah, dass der hingebungsvolle Dienst verlorengegangen war, kam Er als Caitanya Mahaprabhu, um hingebungsvollen Dienst zu predigen. Lasst uns alle bei Seinen Lotosfüßen Zuflucht suchen und von Ihm lernen, was hingebungsvoller Dienst wirklich ist." Diese Verse werden von den Geweihten des Herrn in der Schülernachfolge als die kostbarsten Juwelen angesehen, und aufgrund dieser berühmten Verse ist Sarvabhauma Bhattacarya als einer der größten Gottgweihten bekannt geworden.

Auf diese Weise wurde Sarvabhauma Bhattacarya zu einem der wichtigsten Geweihten des Herrn, und er hatte keinen anderen Wunsch mehr, als dem Herrn zu dienen. Er dachte ständig an Sri Caitanya, und Meditation und Chanten wurden zum Hauptinhalt seines Lebens.

Eines Tages kam Sarvabhauma Bhattacarya wieder zum Herrn, brachte Ihm Ehrerbietungen dar und las einen Vers aus dem Srimad-Bhagavatam (10.14.8) vor. Dieser Vers, der aus den Gebeten Brahmas an den Herrn stammt, lautet:

tat te 'nukampam susamiksamano
bhunjana evatmakrtam vipakam
hrd-vag-vapurbhir vidadhan namas te
jiveta yo mukti-pade sa daya-bhak

"Einem Menschen, der seine Gedanken, seinen Körper und seine Worten dem Dienst des Herrn weiht, ist Befreiung sicher, selbst wenn er in der Vergangenheit viele Missetaten begangen hat und deswegen ein leidvolles Dasein fristet." Bhattacarya änderte das Wort mukti (Befreiung) in bhakti (hingebungsvoller Dienst) um.

"Warum hast du den ursprünglichen Vers verändert?" fragte der Herr. "Das Wort lautet mukti, und du hast es in bhakti umgeändert." Darauf engegnete Bhattacarya, dass mukti nicht so wertvoll sei wie bhakti und dass mukti für den reinen Gottgweihten eigentlich eine Art Bestrafung darstelle. Aus diesem Grund habe er das Wort mukti in bhakti umgeändert. Dann sagte Bhattacarya, was ihm bezüglich bhakti klargeworden war: "Jeder, der die transzendentale Persönlichkeit Gottes und Ihre transzendentale Gestalt nicht anerkennt, kann die Absolute Wahrheit nicht erkennen."

Wer das transzendentale Wesen von Krsnas Körper nicht versteht, wird Krsnas Feind und verachtet oder bekämpft Ihn. Die Feinde des Herrn gehen schließlich in Seine Brahman-Ausstrahlung ein. Diese Art von mukti, das heißt Befreiung in der Brahman-Ausstrahlung, wird von den Geweihten des Herrn niemals angestrebt. Es gibt fünf Arten von Befreiung: (1) auf den Planeten zu gelangen, auf dem der Herr residiert, (2) mit dem Herrn zusammenzusein, (3) einen transzendentalen Körper zu bekommen, der dem Herrn gleicht, (4) denselben Reichtum zu erlangen wie der Herr und (5) in den Körper des Herrn oder in Seine Ausstrahlung einzugehen. Ein Gottgeweihter bemüht sich um keine dieser fünf Befreiungen. Er ist schon damit zufrieden, wenn er sich einfach nur im transzendentalen liebevollen Dienst für den Herrn betätigen darf. Besonders zuwider ist ihm die Vorstellung, mit dem Herrn eins zu werden und seine individuelle Identität zu verlieren. Ja, mit dem Herrn eins zu werden ist für einen Gottgeweihten geradezu höllisch. Ein Gottgeweihter wird jedoch bereit sein, eine der vier Arten der Befreiung anzunehmen, wenn er dafür dem Herrn dienen darf. Von den beiden Möglichkeiten, mit der Transzendenz zu verschmelzen - nämlich mit der unpersönlichen Brahman-Ausstrahlung eins zu werden oder mit der Persönlichkeit Gottes eins zu werden -, ist die zweite in den Augen des Gottgeweihten noch abscheulicher. Der Gottgeweihte hat keinen anderen Wunsch, als sich im transzendentalen liebevollen Dienst des Herrn zu betätigen.

Als Sri Caitanya dies vernahm, erklärte Er Bhattacarya, dass das Wort mukti auch noch eine andere Bedeutung haben kann. Das Wort mukti-pade bezieht sich direkt auf die Persönlichkeit Gottes. Der Persönlichkeit Gottes dienen unzählige befreite Seelen, und Sie ist die endgültige Zufluchtsstätte der Befreiung. In beiden Fällen ist Krsna die endgültige Zuflucht.

Sarvabhauma Bhattacarya ließ sich jedoch nicht von seiner Meinung abbringen und entgegnete: "Trotzdem ziehe ich das Wort bhakti dem Wort mukti vor. Das Wort mukti hat zwar - wie Du erklärst - zwei Bedeutungen, aber dennoch verwende ich lieber das Wort bhakti, das nur eine Bedeutung hat, denn wenn man das Wort mukti hört, denkt man dabei sofort an das Einswerden mit dem Höchsten. Deshalb hasse ich es, dieses Wort auch nur in den Mund zu nehmen, währen mich große Freude erfüllt, wenn ich über bhakti spreche."
Bei dieser Antwort brach Sri Caitanya in lautes Lachen aus und umarmte Bhattacarya voll inniger Liebe.

Der gleiche Bhattacarya, der früher mit Begeisterung über Mayavadi-Philosophie gesprochen hatte, war also nun ein derart ernsthafter Gottgeweihter geworden, dass ihm schon das Aussprechen des Wortes mukti unerträglich war. So etwas wird nur durch die grundlose Barmherzigkeit Sri Caitanyas möglich. Er ist wie ein Stein der Weisen, denn durch Seine Gnade kann Eisen zu Gold werden. Nach Bhattacaryas Gesinnungswandel bemerkte jeder, dass eine große Veränderung in ihm vorgegangen war, und alle kamen zu dem Schluss, dass dieser Wandel nur durch die unbegreifliche Macht Sri Caitanyas möglich gemacht worden war. Sie waren sich daher einig, dass Sri Caitanya kein anderer war als Sri Krsna Selbst.

Aus "Die Lehren Sri Caitanyas", 26. Kapitel

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