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"In einem Dorf lebte ein sehr glückliches, aber armes Ehepaar. Manchmal
drängte die Frau den Mann, mehr für den Lebensunterhalt zu beschaffen,
damit sie ein annehmbares Leben führen könnten wie die anderen
Dorfbewohner auch. Der Mann antwortete jedes Mal, daß Gott sie am
meisten von allen liebe und ihnen deshalb diese Armut geschickt habe.
Mit Schmeichelei, Koketterie und Tränen machte die Frau den Mann mit der
Zeit zu einem Sklaven. Eines Tages schickte sie ihn zu einem seiner
wohlhabenden Freunde und sagte ihm, er solle dem Freund eine Handvoll
Wasser als Gastgeschenk anbieten. Da der Mann keine Alternative sah, tat
er genau das. Sein großzügiger Freund, der sehr wohl wußte, wie arm er
war, belohnte die Hände reichlich, die ihm ein bißchen Wasser mit Liebe
und Hingabe gegeben hatten. Der arme Mann jedoch verlor seine Hingabe
und überlegte: "Wenn ein wenig Wasser so viel einbringt, wieviel mehr
hätte ich wohl erhalten, wenn ich einen ganzen Eimer Wasser dargebracht
hätte!"

Die Buddhi (Intellekt, Unterscheidungskraft) ist in diesem Beispiel wie
der Ehemann, der physische Körper wie die Ehefrau. Es ist ihnen
bestimmt, glücklich zusammenzuleben als Mann und Frau. Jeder von ihnen
hat gewisse Pflichten und Verantwortlichkeiten. Wenn aber die Frau klagt
und Tränen vergißt, das heißt, der Körper seine Bequemlichkeit wünscht,
verliert der Mann (der Intellekt) den Verstand. Er versucht, es ihr so
angenehm wie möglich zu machen, gehorcht ihr willig und vergißt dabei
seine Pflicht und Redlichkeit.

Auch dein Körper sehnt sich nach ein bißchen Bequemlichkeit. Deine
Viveka, die Unterscheidungskraft, versucht, ihn zu überzeugen, daß dies
nicht wichtig und nicht von Dauer ist. Aber schließlich gibst du nach
und erlaubst ihm ein wenig Freiheit und Wahl. Statt die Wünsche zu
kontrollieren, beruhigst du sie. So wirst du selbst ein Opfer der
Ansprüche des Körpers.

Oh Mensch, wache auf. Erlaube deiner Unterscheidungskraft nicht, ein
Sklave deiner Liebe zum Körper zu werden. Lasse die Forderungen deines
Körpers nach äußeren Annehmlichkeiten nicht die Oberhand gewinnen. Gibst
du erst einmal nach und gewöhnst dich daran, ist es sehr schwierig, dich
gegenüber deiner niederen Natur zu behaupten.

Du kannst dich nicht von deinem Körper scheiden lassen. Viveka
(Unterscheidungskraft) und Vichara (Fragen nach dem Sinn des Lebens)
sind nur in einem menschlichen Körper möglich. Der Körper ist nicht nur
dazu da, dir sinnliche Vergnügen zu bereiten. Er ist ein Ausdruck der
Herrlichkeit der Schöpfung Gottes und ist dir behilflich, Gott zu
erkennen. Nutze diesen Körper, um Gott zu verwirklichen, ohne ein Sklave
des Körpers zu werden."


Aus: "Parabeln", von Swami Sivananda
Und hier gibt es weitere Bücher von Sivananda.

Erklärungen zu den verwendeten Sanskrit-Begriffen

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