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Glaube oder Wissen?

Wenn wir von Religion oder Spiritualität sprechen, kommen wir unweigerlich mit dem Thema Glauben in Berührung. Anhänger einer bestimmten Religion oder einer sogenannten Glaubensrichtung sind zwangsläufig mit der Diskussion „Glauben vs. Wissen“ konfrontiert, da es oft Inhalt einer Religion ist, deren Lehren mit anderen zu teilen bzw. diese anderen näher zu bringen.

Viele Menschen verstehen unter Glauben: „Etwas als wahr akzeptieren was man empirisch nicht beweisen kann und von daher nicht wahr ist“ oder „Eine Wunschvorstellung an der man festhält, weil man die Realität nicht akzeptieren kann.“ oder, dass er ganz und gar eine Art von Macke oder Tick ist, wie der so genannte Aberglaube. Die Frage die sich stellt ist: „Was ist Glaube eigentlich? Sind Glaube und Wissen/Wissenschaft getrennt voneinander zu sehen? Besteht wirklich ein Kontrast bzw. Widerspruch zwischen den beiden? Kann man Glauben ab einem bestimmten Punkt annehmen und auch wieder aufgeben? Ist es etwas, was der eine hat und der andere nicht? Braucht man Glauben? Dieser Artikel soll sich mit diesen Fragen auseinandersetzen. An erster Stelle ist es sinnvoll, die Bedeutung des Begriffs zu klären.


Bedeutung und Bedeutsamkeit von Glauben

Das Sanskritwort für den Glaube heißt sraddha. Im Krishnabewusstsein versteht man unter sraddha Vertrauen haben oder überzeugt sein. Auch das englische Wort Faith ist auf diese Weise definiert. Als Glauben bezeichnet man aber auch die verschiedenen Religionen, die auf unserer Welt zu finden sind. Daher wird Glauben auch definiert als eine Weltanschauung oder Auffassung die man annimmt. Srila Prabhupada definiert Glauben so: „Glauben bedeutet unerschütterliches Vertrauen in etwas Erhabenes“ (BG 2.41 Erl.)

Im Caitanya Caritamrta (Madhya 22.62) heißt es:

‚Sraddha’ – sabde – visvasa kahe sudrdha niscaya
krsne bhakti kaile sarva-karma krta haya.


„Sraddha ist vertrauensvoller, fester Glaube, dass durch das Darbringen hingebungsvollen Dienstes zu Krsna automatisch alle untergeordneten oder nebensächlichen Tätigkeiten mitausgeführt werden. Solcher Glauben ist förderlich für die Ausführung hingebungsvollen Dienstes.“

Weiterhin sagt Srila Prabhupada: „Den starken Glauben, dass man durch Krishnabewusstsein die höchste Vollkommenheit des Lebens erreichen wird, bezeichnet man als vyavasayatmika-Intelligenz.“(BG 2.41 Erl.)

Wie hier ersichtlich wird, bedeutet Glaube im Krishnabewusstsein in erster Linie die Überzeugung und das Vertrauen, dass einen dieser Pfad des Krishnabewusstseins zum höchsten spirituellen Ziel führen wird. In einer Gesellschaft besteht immer eine Lehre oder eine Philosophie, der gefolgt werden soll. Wenn Menschen einer bestimmten Lehre folgen, setzt das voraus, dass sie an diese Lehre glauben. Würde ein Mensch nicht glauben, dass ihm das Ergebnis zuteil wird, welches ihm die von ihm gewählte Lehre verspricht, würde er ihr nicht folgen. Das bezieht sich auf jede Art von Lehre, theistisch oder atheistisch. Würde der materialistische Mensch nicht daran glauben, dass er durch alle möglichen materiellen Güter zufriedener wird, würde er nicht danach streben, seine materielle Situation kontinuierlich zu verbessern. (Hier haben wir auch gleich ein Beispiel, bei dem am Ende Glauben und Realität ziemlich hart aufeinanderprallen.)
Folglich ist Glaube oder sraddha der Antrieb, die Motivation, sich und sein Leben auf eine bestimmte Weise auszurichten. Er bildet die Grundlage unserer Weltanschauung. Daraus erschließt sich, dass sraddha oder Glaube etwas ist, das jeder Mensch hat und braucht. Glaube ist nicht etwas theistisches, religiöses, es ist viel mehr etwas fundamentales, das in jedem Lebewesen zu finden ist. Wenn man davon spricht, einen bestimmten Glauben anzunehmen, spricht man also davon, dem bereits vorhandenen Glauben eine Richtung zu geben mit der man sich vereinbaren kann und möchte. Auch wenn jemand sagt er glaube an nichts, so ist das im wörtlichen Sinne nicht möglich. Was er glaubt ist, dass es keinen Sinn macht, an etwas Bestimmtes zu glauben. Er glaubt, dass die Glaubensausrichtungen die er kennt, für ihn keine Bedeutung haben. Sraddha ist ein natürlicher Bestandteil eines jeden Lebewesens.


Wissenschaft vs. Sraddha ?

Ein empirischer Wissenschaftler glaubt nun z.B. durch empirische Forschung zur höchsten Erkenntnis zu gelangen; dass es nur eine Frage der Zeit ist bis er sein Ziel erreicht hat und die Rätsel der Welt gelöst werden, und zwar durch die empirische Wissenschaft. Das ist sraddha, Glaube. Man kann nicht sagen „Das ist so.“ Es ist eine Annahme in die man vertraut, und von der man überzeugt ist. Was unterscheidet nun einen krishnabewussten Menschen von einem empirischen Wissenschaftler in punkto Glauben? Beide vertrauen in einen bestimmten Vorgang zur Erkenntnisgewinnung. Der eine in die empirische Forschung, der andere in die Autorität der vedischen Schriften. Der krishnabewusste Mensch bedient sich sogar beider. Schließlich ist die sinnliche Wahrnehmung unser unmittelbares Medium zur Realität. Krishna sagt in der Bhagavad-gita:

Nasato vidyate bhavo nabavo vidyate satah
ubhayor api drsto ntas tv anayos tattva-darsibhih.


„Diejenigen, die die Wahrheit sehen, haben erkannt, dass das Inexistente (der materielle Körper) ohne Dauer und das Ewige (die Seele) ohne Wechsel ist. Zu dem Schluss sind sie gekommen, nachdem sie das Wesen von beidem studiert hatten.“(BG 2.16)

Die Bhagavad-gita ist die Wissenschaft von Gott. Ein krishnabewusster Mensch glaubt nicht nur irgendetwas was ihm erzählt wird. Wie der Vers sagt, studiert er den Gegenstand bzw. Inhalt seines Glaubens. Studium bedeutet Beobachtung, Analyse, logisches Folgern und eine praktische Konsequenz, die sich aus der Erkenntnis der ersten drei Dinge ergibt. Studium heißt aber auch, von einer Autorität Wissen zu empfangen und dieses dann anzuwenden. Somit sind wir wieder beim Thema Wissenschaft angelangt.

Der Unterschied zum empirischen Wissenschaftler ist, dass der krishnabewusste Mensch die Begrenztheit der Empirie anerkennt, und folglich die Realität nicht auf das empirisch Wahrnehmbare beschränkt. Er erweitert seine Erkenntnis, indem er den herabkommenden Pfad der Erkenntnis (Offenbarung) beschreitet und den aufsteigenden Pfad (Empirie) nutzt, um eine Verbindung zum Offenbarten herzustellen. Logik und Empirie sind nur eine Stufe auf der Erkenntnisleiter, und Hilfsmittel, um Dinge zu verstehen; sie sind aber nicht das Höchste. Man kann mit Recht sagen, dass die empirische Wissenschaft Realität beschreibt und Rückschlüsse auf Ursache und Wirkung ziehen kann. Das letztliche „Warum?“ erklären kann sie jedoch nicht. Das macht die Religion. Das zeigt, dass diese beiden zusammengehen sollten. Das eine beschreibt „Wie etwas ist“ und das andere „Warum etwas ist“. So ist die Erkenntnis vollständig. Glauben im Sinne von Vertrauen ist ein natürliches Element der empirischen Wissenschaft sowie auch der Religion. Glauben im Sinne von Religion und somit von Offenbarung ist ein notwendiger Bestandteil für ganzheitliche Erkenntnis. Es gibt Dinge, die über unsere Wahrnehmung hinausgehen - das ist eigentlich kein Geheimnis. Zwischen dem, was wir wahrnehmen können und dem was es wahrzunehmen gibt, liegt ein großer Unterschied. Allein schon auf der materiellen Ebene ist unsere Wahrnehmung sehr begrenzt, ganz zu schweigen von der spirituellen. So können wir zum Beispiel Sonnenstrahlen sehen, aber Röntgenstrahlung oder radioaktive Strahlung können wir mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmen, obwohl alle diese Dinge existieren. Für letztere brauchen wir andere Mittel, die uns deren Wahrnehmung erlauben. So ist es auch mit dem Hören. Jeder kann das Geräusch seines Atems hören, manche Menschen auch den Aufschlag einer Stecknadel auf dem Boden. Aber wie sieht es aus mit dem Klang einer Hundepfeife? Der Klang ist da, aber unsere Ohren sind für diesen nicht geeicht. Fakt ist, dass man durch bestimmte Hilfsmittel und Geräte die Existenz der Dinge, die man nicht unmittelbar wahrnehmen kann, jetzt mittelbar – durch einen Mittler - wahrnehmen kann. So haben wir eine Vielzahl an Messgeräten und anderen Errungenschaften, die als Erweiterung unserer groben Sinne dienen. Mit der spirituellen Wissenschaft ist es nichts anderes. Momentan können wir weder Krishna noch unser eigenes spirituelles Selbst unmittelbar wahrnehmen. Wir brauchen einen (Ver)Mittler, um uns über die Realitäten bewusst zu werden, die unseren bloßen Sinnen verborgen bleiben. Auf der materiellen Ebene sind diese Vermittler der Empirist und die wissenschaftlichen Errungenschaften (Messgeräte), auf der spirituellen Ebene sind es die offenbarten Schriften und der selbstverwirklichte spirituelle Meister. Welchem auch immer man vertraut, vertrauen muss man, um einen Nutzen aus ihnen ziehen zu können. Das ist sraddha.


Konsequenz

Unglücklicherweise glauben sehr viele Menschen trotz des Wissens um die Begrenztheit der eigenen Wahrnehmung, dass es außerhalb dieser nichts gibt. „Ich glaube nur was ich wahrnehme.“ Dieses Argument wird sehr oft von Menschen hervorgebracht. Ein jeder muss sich jedoch die Begrenztheit seiner eigenen Wahrnehung, wie durch die obigen Beispiele verdeutlicht, eingestehen. Man ist konfrontiert mit allen möglichen Phänomenen die man sich nicht erklären bzw. nicht durchschauen kann. Das heißt, es gibt Realitäten, zu denen man keinen umfassenden Zugang hat. Nur um einige zu nennen: das Déjà vu, Hellsichtigkeit, Telekinese, das Mysterium der Hypnose oder Nahtoderfahrungen. Diese Realitäten zu verneinen weil man sie nicht völlig fassen kann, wäre einfach nur ignorant und führt zu Dogmatismus und Fanatismus. Weiterhin müsste aus der Erkenntnis der begrenzten Wahrnehmung das Zugeständnis kommen, dass Empirie oder Sinneswahrnehmung nicht der absolute Maßstab für Realität und Nichtrealität sein können. Und da es Dinge gibt die nicht empirisch erklärt werden können, muss man auch akzeptieren, dass es anderer Mittel und Quellen bedarf, die fehlenden Wissensteile zu bekommen. Das ist eine Frage der Aufrichtigkeit. Fakt ist, dass Wissenschaft und Glauben (Glauben im Sinne des Vertrauens, wie auch im Sinne der Offenbarung bzw. Religion) zusammengehen müssen, die Trennung zwischen diesen beiden ist künstlich. Weder ist Gott/Krishna eine reine Glaubenssache ohne wissenschaftliche Substanz, noch ist die empirische Wissenschaft allwissend und ohne Glauben als Grundlage des wissenschaftlichen Strebens. Diese beiden Dinge gehören zusammen. Sie sind sonst nicht vollständig. Der Glaube in Form der Religion vervollständigt die empirische Wissenschaft, und die empirische Wissenschaft kann einen großen Teil des Offenbarten für die Sinne greifbarer machen.

Stellung von Sraddha im Krishnabewusstsein

Krishna beschreibt in der Bhagavad-gita den Unterschied zwischen Körper und Seele und welche Beziehung die Seele mit Krishna hat. Er unterstreicht, dass wir nicht ein Körper sind der eine Seele hat, sondern eine Seele, ein immaterielles (transzendentales) Wesen, das jetzt einen Körper hat. Dieser Körper stellt eine künstliche Umgebung für diese immaterielle Seele dar; er trennt die Seele von Krishna. Den Vorgang der Verbindung oder Beziehung mit Krishna bezeichnet man als Yoga. Krishna erklärt verschiedene Yogavorgänge in der Bhagavad-gita, die der bedingten Seele helfen sollen, sich zurück in den krishnabewussten Daseinszustand zu erheben. Yoga ist ein praktischer, wissenschaftlicher Vorgang der aber auch von sraddha untermauert sein muss. Krishna unterstreicht die Wichtigkeit von sraddha im Bhakti Yoga wie folgt:

Asraddadhanah purusa dharmasyasya parantapa
aprapya mam nivartante mrtyu-samsara-vartmani.


„Diejenigen, die auf dem Pfad des hingebungsvollen Dienstes ohne Glauben sind, können Mich nicht erreichen, o Bezwinger der Feinde. Folglich kehren sie zum Pfad von Geburt und Tod in der materiellen Welt zurück.“ (BG 9.3)

Srila Prabhupada sagt in der Erläuterung zu diesem Vers: „Die Ungläubigen können den Vorgang des hingebungsvollen Dienstes nicht erfolgreich ausführen; das ist die Bedeutung dieses Verses. [...] Folglich ist Glaube einer der wichtigsten Faktoren für den Fortschritt im Krishnabewusstsein.“ Was Srila Prabhupada hier sagt trifft nicht nur auf Bhakti Yoga zu. Er benennt hier ein Prinzip, das auf jede Art von Vorgang zutrifft. Man muss Vertrauen haben, dass das was man tut den gewünschten Erfolg oder das gewünschte Ergebnis bringen wird. Das ist das Prinzip. Nichts funktioniert, wenn man dieses Prinzip nicht erfüllt. Srila Prabhupada ist das beste Beispiel. Er hatte unerschütterliches Vertrauen in die Anweisung seines spirituellen Meisters und Krishna, deswegen war er erfolgreich in seiner Mission, das Krishnabewusstsein in die westlichen Länder zu bringen. Während seiner Mission musste er viele Rückschläge hinnehmen und Prüfungen bestehen. Diese Prüfungen und Rückschläge waren alles andere als klein. Wenn man einen schwachen Glauben hat, reicht schon ein kleiner Rückschlag aus, einen zur Aufgabe zu bewegen. Die Konsequenz daraus ist, dass man wieder Abstand zum Gegenstand seines Glaubens nimmt und ihn irgendwann ganz aufgibt. Auf der anderen Seite ist die Konsequenz der Nichtaufgabe, dass man dem Gegenstand seines Glaubens näherkommt. Rückschläge werden kommen. Wenn man deshalb aufhört Krishna zu vertrauen, muss man seinen Glauben auf etwas anderes richten. Dass einzige was sich dann anbietet, ist die materielle Energie, Maya. Ihr Pfad ist der der wiederholten Geburten und Tode, wie im obigen Vers zu lesen ist. (Srila Prabhupada spricht diesen Sachverhalt im weiter unten stehenden Zitat zu BG 17.3 an.) Somit ist Glaube essentiell für Krishnabewusstsein. Kein Mensch würde irgendein Ziel erreichen, wenn er nicht daran glauben würde es zu erreichen. Wenn man Glaube in einer Tätigkeit definieren will, muss das wohl „sich öffnen und annehmen“ sein. Im Speziellen bedeutet das, offen zu sein für den Plan, den Krishna für einen hat und auch, ihn annehmen zu können. Wir machen jeden Tag viele Pläne für alles mögliche und glauben auch meist, dass dies der beste Plan ist. Oft werden unsere Pläne aber zerschlagen. Sie funktionieren einfach nicht. Der Grund dafür ist einfach, dass bereits ein anderer, „höherer“ Plan, existiert, der dann auch ausgeführt wurde. Sraddha bedeutet zu akzeptieren, dass dieser höhere Plan der bessere ist. Es ist wichtig, das Resultat der Geschehnisse zu betrachten, die im eigenen Leben passieren. Oft sehen wir nur, dass etwas nicht so lief wie wir es wollten, aber nicht, dass gerade deshalb etwas in der Weise passieren konnte wie es gut für uns war bzw. ist.

Im Mahabharata findet man die Geschichte von Königin Draupadi und ihren Ehemännern, den Pandavas. Die Lage war so, dass die Pandavas von ihren Gegnern, den Kauravas, auf betrügerische Weise um ihren Besitz, Thron, Freiheit und auch Draupadi gebracht werden sollten, und zwar in Form eines Glücksspiels. Die Pandavas verloren alles, und so wollten die Kauravas die Pandavas demütigen, indem sie Draupadi vor allen Versammelten entkleideten, da sie sie als ihr Eigentum betrachteten. Draupadi war hilflos und suchte zuerst bei den Kuru-Ältesten Zuflucht, indem sie ihre Empörung und Hilflosigkeit zum Ausdruck brachte. Sie kritisierte scharf die moralische Haltung der Kauravas und forderte Gerechtigkeit. Als dies nicht half, suchte sie Zuflucht bei ihren Ehemännern. Aber denen waren auch die Hände gebunden. Als dann einer der Kauravas versuchte, sie gewaltsam zu entkleiden, hoffte sie zuerst noch immer auf die Hilfe der Kuru-Ältesten und der Pandavas. Als sie sah, dass dies aussichtslos war, hob sie schließlich flehend ihre Arme in die Luft und suchte völlig bei Krishna Zuflucht, indem sie inbrünstig zu Ihm betete. Krishna reagierte sofort und versorgte sie mit einem endlosen Sari (Kleidung); so war es nicht möglich, sie zu entkleiden. Später, als Draupadi Krishna von Angesicht zu Angesicht sah, fragte sie Ihn warum Er sie nicht gleich beschützt hätte und warum Er sie nicht vor so einer Situation bewahrt hätte. Warum hatte Er zugelassen, dass sie so gedemütigt wurde? Er antwortete ihr, dass sie Ihn gar nicht gelassen hat. Zuerst suchte sie bei den Kuru-Ältesten Zuflucht und setzte ihren Glauben in sie. Dann setzte sie ihren Glauben in die Pandavas und hoffte auf diese, und so erlaubte sie Krishna gar nicht, schon früher einzugreifen. Erst dann, als sich all ihre Hoffnungen auf Rettung durch die Kuru-Ältesten oder ihre Ehemänner zerschlugen, suchte sie völlig bei Krishna Zuflucht. Deshalb war es gut wie alles geschah. Gerade diese Situation ermöglichte ihr, sich Krishna völlig zu ergeben, was das Ziel des Krishnabewusstseins ist.


Fragen an den Zweifler

Wir vertrauen in erster Linie auf alles andere, aber nicht auf Gott. So wollen die meisten Menschen Krishna gar nicht in ihrem Leben haben, wollen Ihn gar nicht erkennen. Und dann fragen sie: „Wo ist denn Gott?“, „Warum macht Er denn nichts?“, „Warum lässt Er dieses und jenes zu?“, „Wo war Er denn als ich in Not war?“
Die Frage sollte aber viel eher lauten. „Warum lässt der Mensch Gott nicht zu?“, „Warum will der Mensch um jeden Preis unabhängig von Gott sein?“
Ist die Situation wirklich die, dass Krishna Sich uns zeigen muss, so dass wir an Ihn glauben können? Oder ist die Situation viel eher die, dass wir erst einmal den aufrichtigen Wunsch entwickeln müssen, Gott erkennen zu wollen?
Es wäre viel wichtiger, erst einmal zu wissen, was wir tatsächlich glauben und „was wir glauben wollen“. Sind wir tatsächlich an der Realität – wie sie ist – interessiert oder vielmehr nur an der Realität wie wir sie wollen? Um eine effektive Debatte um Glauben und Realität führen zu können, müssen die argumentierenden Parteien aufrichtig und an Wahrheit interessiert sein, nicht nur an Vorteil.


Wie Sraddha geformt wird

Oft argumentieren Menschen, es wäre besser zu wissen als „nur“ zu glauben. Nehmen wir an, Wissen ist die Gewissheit über eine Tatsache und Glaube ist die Annahme über eine Tatsache.
Tatsache: Jedes Lebewesen wird geboren, wächst heran, bleibt eine Zeit bestehen und vergeht wieder. Das ist eine Tatsache. Das wissen wir. Logisch wäre es, aufgrund dieses Wissens den Tod als natürliche, ständig präsente Realität des Lebens zu akzeptieren. Logisch wäre es auch, sich zu fragen, warum dieser Ablauf existiert und warum man gezwungen ist ihm zu folgen.
Die meisten Menschen tun dies aber nicht, obwohl sie um dieses Tatsache wissen. Warum? Weil sie auf ignorante Weise glauben, sie könnten dieser Tatsache ausweichen, oder sie gar verändern. Das heißt den Tod überwinden, und Beständigkeit in einer unbeständigen Welt erzeugen. Praktisch funktioniert dies aber nicht. Alle Versuche, den materiellen Körper resistent gegen die Vergänglichkeit zu machen, scheitern kläglich. Hieraus lässt sich erkennen, das sraddha oder Glaube sehr große Macht hat. Offensichtlich handeln wir mehr auf der Grundlage von dem was wir glauben, als von dem was wir wissen. Oder besser gesagt, entscheiden wir mehr auf dieser Grundlage. Krishna widmet in der Bhagavad-gita diesem Thema ein ganzes Kapitel. Er sagt:

Tri-vidha bhavati sraddha dehinam sa svabhava-ja
sattviki rajasi caiva tamasi ceti tam srnu.

“Gemäß der Erscheinungsweisen der Natur, die von der verkörperten Seele angenommen werden, kann ihr Glaube von dreierlei Art sein – in Tugend, Leidenschaft oder Unwissenheit. Höre nun darüber.“ (BG 17.2)

Sattvanurupa sarvasya sraddha bhavati bharata
sraddha-mayo yam puruso yo yac-chraddhah sa eva sah.

„O Nachkomme Bharatas, gemäß dem Leben, das man unter dem Einfluß der verschiedenen Erscheinungsweisen der Natur führt, entwickelt man eine bestimmte Art von Glauben. Gemäß den Erscheinungsweisen, die das Lebewesen annimmt, kann es einem bestimmten Glauben zugeordnet werden.“ (BG 17.3)

Krishna erklärt in der Bhagavad-gita ausführlich die drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur und wie sie in Handlungen, Auffassungen, Nahrung, Charaktereigenschaften, verschiedenen Arten von Wissen, Entsagung, Tageszeiten u.v.m. repräsentiert sind, das heißt, welche Eigenschaften sie besitzen. Die materielle Natur als ganzes besteht aus diesen drei Aspekten. Tugend ist das erhaltende Prinzip, Leidenschaft das schöpfende Prinzip und Unwissenheit das zerstörende Prinzip. Dies sind die Charakterzüge der materiellen Welt. Alle Dinge, die wir sehen und erleben können sind immer eine spezielle Mischung aus diesen drei Erscheinungsweisen. Auch oder vor allem unser Körper ist so eine spezielle Mischung. Die Bhagavad-gita erklärt, dass diese Erscheinungsweisen es sind, die uns antreiben, auf eine bestimmte Art „zu sein“. So ist ein tugendhafter Mensch eher besonnen, mild und friedlich, was dem erhaltenden Prinzip entspricht. Ein leidenschaftlicher Mensch ist vorrangig schöpferisch, produktiv und begehrend, was dem schöpfenden Prinzip entspricht. Ein unwissender Mensch ist vorrangig faul, ignorant und destruktiv, was dem zerstörenden Prinzip entspricht. Glaube kommt also nicht von ungefähr, er wird bestimmt durch die Art des Einflusses, den wir von der materiellen Energie bekommen, geprägt. Ein tugendhafter Mensch vertraut in Vernunft, ein leidenschaftlicher Mensch vertraut in Schaffenskraft und ein unwissender Mensch vertraut in Träumerei. Wie dies alles funktioniert, wird in der Bhagavad-gita „Wie sie ist“, genau erklärt. Worum es hier aber gehen soll, ist der krishnabewusste Standpunkt zum Thema Glaube.

Srila Prabhupada schreibt in seiner Erläuterung zum Vers 17.3:

„Jeder hat eine bestimmte Art von Glauben – ganz gleich wer er ist. Aber der Natur entsprechend, die ein Mensch entwickelt hat, wird sein Glaube als tugendhaft, leidenschaftlich oder unwissend bezeichnet, und entsprechend dieser bestimmten Art von Glauben verkehrt man mit ganz bestimmten Menschen. Nun ist es in Wirklichkeit aber so, dass jedes Lebewesen, wie im 15. Kapitel erklärt wird, ursprünglich ein fragmentarischer Teil des Höchsten Herrn ist. Ursprünglich steht man deshalb zu allen Erscheinungsweisen der materiellen Natur in transzendentaler Stellung. Doch wenn man seine Beziehung zur Höchsten Persönlichkeit Gottes vergisst und im bedingten Leben mit der materiellen Natur in Kontakt kommt, erzeugt man seine unterschiedlichen Lebensumstände entsprechend der Gemeinschaft verschiedener Aspekte materieller Vielfalt selbst. Die künstlichen Formen des Glaubens und des Lebens, die daraus entstehen, sind alle nur materiell. Obwohl sich das Lebewesen in der materiellen Welt von gewissen Vorstellungen und Lebensauffassungen leiten lässt, ist es ursprünglich nirguna: transzendental. Um seine Beziehung zum Höchsten Herrn wiederzugewinnen, muss man also von der angesammelten materiellen Verunreinigung geläutert werden. Und der einzige Pfad um dies ohne Angst zu erreichen, ist Krishna-Bewusstsein. Wenn man im Krishna-Bewusstsein verankert ist, befindet man sich mit Sicherheit auf dem Pfad, der zur Erhebung auf die vollkommene Stufe führt. Wenn man sich diesem Pfad der Selbstverwirklichung nicht zuwendet, wird man gezwungenermaßen vom Einfluß der Erscheinungsweisen der Natur gelenkt werden.“


Schlussfolgerung

Die Art des Einflusses, den wir von der materiellen Energie bekommen, können wir positiv beeinflussen. Wenn wir das tun, ist das natürlich zu unserem Besten. Das wird in der Bhagavad-gita betont und zum Anlass genommen, die durch die Erscheinungsweisen vereinnahmte Seele aufzufordern, dies auch zu tun. Krishna sagt schlussfolgernd in der Bhagavad-gita:

Sarva-dharman parityajya mam ekam saranam vraja
aham tvam sarva papebhyo moksayisyami ma sucah.

„Gib alle Arten von Religion auf, und ergib dich einfach Mir. Ich werde dich von allen sündhaften Reaktionen befreien. Fürchte dich nicht.“ (BG 18.66)


Letztlich geht es darum, sich völlig auf Krishna einzulassen, sich Ihm hinzugeben. Wie weiter oben bereits erklärt, haben wir alle möglichen Auffassungen von Gott, die auf einer künstlichen Grundlage basieren. Jeder Mensch hat seine eigene Idee wie Gott sein sollte, wie er aussehen sollte usw. Das ist aber nur unsere Idee. Krishna hat Seine eigene Realität und Krishnabewusstsein bedeutet, diese Realität zu erkennen und anzunehmen. Auch kämpfen wir Menschen untereinander oft um Anerkennung und Akzeptanz. Wir haben Erwartungen an andere und andere haben Erwartungen an uns. Oft wollen wir andere Menschen nach unseren Vorstellungen formen und andere Menschen wollen uns nach ihren Vorstellungen formen. Daraus entstehen viele Konflikte, denn eigentlich wollen wir bloß sein wie wir sind, akzeptiert werden, wie wir sind. Wenn wir lernen uns auf andere Menschen einzulassen und sie zu erkennen, wie sie sind, wenn wir unsere Vorstellungen und Ansprüche an eine andere Person einmal beiseite lassen, dann werden wir wahrhaft Zugang zu dieser Person finden. Wir werden diese Person erkennen, sehen wie sie ist. Eine Person kann man kennenlernen, wen man mit ihr kommuniziert, sie fragt über ihr Selbst. Man kann sie kennenlernen, indem man mit ihr Gemeinschaft hat. So bekommt man Wissen über die Person. Krishna kann man kennenlernen indem man Sein Buch, die Bhagavad-gita, liest, und indem man von Menschen hört, die Krishna kennen. Durch die Gemeinschaft mit solchen Menschen kommt man in die Gemeinschaft Krishnas. So bekommt man Wissen über Krishna. Glaube sollte durch Wissen fundiert sein. Das bedeutet durch transzendentales Wissen, wie wir es aus der Bhagavad-gita bekommen. „Die unerschütterliche Entschlossenheit eines Menschen im Krishnabewusstsein gründet auf Wissen.“(BG 2.41 Erl.) Man sollte nicht etwas glauben, nur weil es sich für einen gut anfühlt. Das ist nicht immer ehrlich. Gefühle sind sehr subjektiv und mit Sicherheit ist sich der Einzelne nicht immer bewusst, auf welcher Motivation seine Gefühle tatsächlich gründen. Daraus kann viel Leid entstehen. Wissen und Glauben gehen Hand in Hand. Sie existieren nicht getrennt oder unabhängig voneinander. Das eine formt das andere.

Quelle: www.krishna-is-cool.de

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