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Alles ist vergeben – Ein spiritueller Blick auf die Ereignisse von Paris

Ich knie innerlich nieder vor der großen Geste der überlebenden Karikaturisten und Redakteure von Charlie Hebdo. Sie ist ein größerer Schritt, als der des ersten Mannes auf dem Mond, und ein Vorbild für eine hoffentlich neu entstehende politische Kultur. Wir sind fast ganz unten, die Weltgemeinschaft steht an einem gähnenden Abgrund. Solche Gesten und Worte sind seltener Balsam und sollten doch eigentlich so natürlich und selbstverständlich sein.

Alles ist vergeben – Ein spiritueller Blick auf die Ereignisse von Paris

Dieser bemerkenswerte Satz, den die Karikaturisten am Tag nach den brutalen Ereignissen als Losung herausgaben „Tout est pardonné (Alles ist vergeben)“, spricht von innerer Größe, wie auch von einem unerschütterlichen Glauben an die Menschheit. Alles ist vergeben, nichts bleibt zurück, es ist immer ein neuer Tag, ein ganz frischer Augenblick. Der Fluss strömt unaufhörlich und bringt neue Wasser mit sich. Die alten Wasser haben den Schmutz, die Hässlichkeiten, den Schmerz, das Blut abgewaschen und mit sich genommen. Jetzt ist der Fluss neu, er ist nicht mehr der von gestern: schlammig, faulig, verseucht, vergiftet. So wird es immer sein, wenn wir im Augenblick leben. Die Zeit nimmt den Müll mit und bringt uns die Rosen von morgen. 

„Alles ist vergeben“, dieser Satz geht aber noch weit tiefer. Er sagt, da ist niemand, der vergibt, da ist auch niemand, der Vergebung empfängt. Vergebung ist immer schon geschehen. Bevor wir fragen, bevor wir bitten, bevor wir bewusst werden, bevor wir aufwachen, ist Vergebung da, ist Verstehen da, ist bedingungslose Annahme da, ist Liebe da. Unsere Unvollkommenheit, unsere Fehler, unsere Sünden waren immer in die Schöpfung integriert. Sie sind der felsige und feurige Steg. 

Es war ein Tag der blanken Gewalt, es waren Stunden des Entsetzens, Augenblicke der Zerstörung und des Todes, zeitlose Momente des Schmerzes, der Unfassbarkeit, der Erfahrung von sinnloser Vernichtung. Doch „Alles ist vergeben“ hebt den Schleier hinter dem scheinbar so absurden Geschehen. Der Satz weitet plötzlich den Blick in eine andere Dimension. Und wir erkennen vage: wir brauchten diesen schrecklichen Weckruf, wir werden ihn immer wieder brauchen. Wir brauchen diesen Blick in unauslotbare Abgründe, um die Kälte unserer Fremdheit zu erleben, unser unnatürliches Fernsein, unsere selbst gewählte und uns lange schon quälende Verbannung.

„Tout est pardonné“ bereitet uns vor auf ein wirkliches Leben in Anbindung und letztlich Einheit mit der kosmischen Realität. Vergebung weitet das Herz. Und so bizarr es klingen mag, auch Gewalt und gar der Tod, der Mord – ob verübt, herbeigeführt, erfahren oder miterlebt und mitgefühlt – öffnen am Ende unser Herz. Buddha nahm den tausendfachen Mörder Angulimala einfach an als schlichtes göttliches Geschöpf. Dieses vorbehaltlose Angenommensein verwandelte ihn in einer Minute von einer Bestie in einen unschuldigen Mönch und Schüler des ewig währenden Lebens. Om Shanti, Shalom, Salam.

 

- Bhajan Noam -

 

Seiten des Lebens: www.bhajan-noam.com

 

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