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Die Baumprinzessin spricht von Erich Fried

Die Baumprinzessin spricht
(geöffnetes Baumbegräbnis, Volksmuseum, Kopenhagen)

Der Atem von dreitausend Sommern
und dreitausend Wintern
ersetzt meinen eigenen Atem
und bewegt nicht
mein Kleid aus gegerbtem Leder
und nicht mein Haar
im hohlen Baumstamm mit seiner Rinde aus Kohle

Ich habe aufgegeben das Rot meiner Lippen
und meine Lippen
Ich habe aufgegeben das Grau meiner Augen
und meine Augen
doch ich behalte den Glanz
meiner toten Haare
und ich behalte die Schönheit meiner Knochen

Du der mich küssen will
nach dreitausend Jahren
sagst mir
dass der Tod
der Tod der Lebenszeit ist
Meine Lebenszeit war kurz
keine dreißig Jahre

Hundertmal länger
ist die Brücke die du jetzt schlägst
mit deiner Liebe
und mit deiner hilflosen Trauer
und deinen Tränen
an meinem vor hundert Jahren
geschändeten Sarg

Erih Fried

Meine Lieblingsgedichte von Erich Fried hier ;-)

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Kommentar

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Kommentiert von Apsara am 29. August 2008 um 12:15pm
Die Vorstellung das die Knochen die Schönheit bewahrt haben, oder besser gesagt, da Schönheit nicht das wichtigste im Menschen ist, dass die Seele. oder die Persönlichkeit für denDichter immer noch spürbar ist, über 3.000 Jahre hinweg noch im Herzen das Dichters spricht.

Die Erkenntnis und das bedauern, den Sarg nach 2.900 Jahren geschändet zu sehen, ein so langer Frieden und dann diese Unerhörte Störung - Nichts ist volllkommen und Nichts ist für immer.
Daran erinnert der Dichter sich selbst und seine Leser, die bereit sind diesem Bild das er entwirft auf vielfältige Weise zu folgen.

Das bewegt mich bei diesem Gedicht, dass ich immer auch mit sehr vielr Rührung lese!

Hab einen schönen Tag

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