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Ich-Strukturen kann man als Masken der Persönlichkeit (gr. persona) verstehen, die der Mensch versucht abzulegen, um sein "wahres Selbst" zu erkennen, das sein innerstes Wesen, seine Essenz darstellt. Der Hinduismus behauptet, dadurch mit dem Göttlichen zu verschmelzen. Der Buddhismus negiert einen fortbestehenden Wesenskern und spricht von anatman. Selbstfindung - ein langer Weg der menschlichen Transzendenz?

Eine kleine Wortfamilie als Teaser: Selbstfindung, Selbsterkenntnis, Selbstverwirklichung, Selbstbewusstsein, Selbsterfahrungstrip, Selbstkonzept, Selbstsucht, Selbstverherrlichung, Unselbständigkeit, Selbständigkeit, Selbstlosigkeit, Selbstoffenbarung, Selbstachtung, Selbstbeobachtung, Selbstvergnügen, Selbstverachtung, Selbstvernichtung, Selbstwertgefühl, Selbstliebe, Selbstsicherheit etc.

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Antworten auf diese Diskussion

Gerade ein provokantes Zitat gefunden:

"Jede eigenmotivierte Anstrengung auf dem spirituellen Pfad ist sinnlos, weil sie zu einer Ego-Inflation und nicht zu Ego-Transzendenz führt. Die Vorstellung, dass wir Erleuchtung "bewirken" können, sollte das erste sein, was wir hinter uns lassen - oft ist es jedoch das letzte."
Georg Feuerstein
Na ihr?
Hat wohl niemand so richtig Lust, was zum (unbequemen) Thema zu sagen. Vielleicht sind ja alle noch im Urlaub oder frönen ihrer profanen Selbstverwirklichung;-)
Dann kommentiere ich mich eben "selbst", weil ich gerade eine interessante Stelle in der Katha-Upanishad gelesen habe, die die Ego-Transzendenz bzw. das wahre Selbst als a priorisches Objekt nur mit Hilfe des Gnadenaspekts für erreichbar hält:

"Dieses Selbst (atman) kann nicht durch Studium, nicht durch Denken, nicht durch ausgiebiges Lernen erreicht werden. Es wird von derjenigen Person erreicht, die Es erwählt. Das Selbst offenbart dann Seine je eigene Form."
Katha-Upanishad, 1.2.23

Der Yogin könnte sich demnach nur auf den Eintritt der Gnade vorbereiten. Gnade also als ausschlaggebendes oder gar determinierendes Moment auf dem Weg zum wahren Selbst?
hallo ulrich.
ich finde dieses thema durchaus interessant. obwohl ich gestehen muss, dass auf diesem weg zu antworten mir durchaus nicht leicht fällt. vielleicht liegt es aber auch daran, dass mir der austausch noch fehlt...
das finden des wahren selbst als akt der gnade zu betrachten ist für mich gleichzusetzen mit dem erteilen der absolution. mh, damit kann ich nicht so viel anfangen. dann kann man auch gleich alles dem zufall überlassen.
("wir denken das leben, doch wir leben es nicht. wir denken liebe und wir denken beziehung, doch wir leben sie nicht." s. harrison)
aber vielleicht ist das finden der stille, des wahren nichts, ein akt der gnade?
..ich trau mich nicht darüber zu diskutieren, jo! zu groß ist die gefahr mich in diskussionen zu verlieren, die auf halbwissen und nicht auf weisheit beruhen und die nur mein ego füttern und mich von meinem selbst entfernen ;-)!
... ich hab keine ahnung!!
Viele sprechen von Verwirklichung des Selbst (nicht profane Selbstverwirklichung) und machen sich deshalb auf den spirituellen Weg. Vielleicht stellt das größte Hindernis auf dem spirituellen Weg die eigene Persönlichkeit bzw. das eigene Wahrnehmen und das (dualistisch geprägte) Denken dar. Frage dich: "Wer bin ich?" und vor allem "Erkenne dich selbst".

"Das Selbst ist nicht etwas, das man erreichen kann. Wenn es erreichbar wäre, so würde das bedeuten, dass das Selbst nicht hier und jetzt gegenwärtig ist, sondern erst erlangt werden muss. Was neu erlangt wird, geht aber auch wieder verloren. Es wäre also unbeständig. Etwas Unbeständiges ist jedoch nicht wert, dass man nach ihm strebt. Deshalb sage ich, dass das Selbst nicht erreicht werden kann. Du bist das Selbst; du bist bereits DAS."
Ramana Maharshi
Die Geschichte mit den Masken, der Persönlichkeit, hat freilich auch die Sichtweise, dass das Eigentliche: Selbst, Nichtselbst, Leerheit, Abwesenheit von Anwesenheit und Abwesenheit oder wie immer du es nennen willst, immer durch es hindurchtönt (per-sonare).
Zu Buddha: Erst mal lehrte er wohl, dass die Skhandas (Körper, Gefühl Wahrnehmung, Samskara (unbewusste Impulse, Konditionierungen), Bewusstsein) nicht mein, nicht Ich, nicht mein Selbst sind. Darin liegt erst einmal (vielleicht bei Bewusstsein ist die Frage, was man darunter versteht) Übereinstimmung mit Yoga und Advaita. Auch ein"Alles Erscheinende, alles bedingt entstandene ist nicht mein, nicht Ich, nicht mein Selbst ist da nachvollziehbar. Und das für ein Ich zu halten, was kein ich ist, gilt auch da als leidvoll. Und dann gibt es von ihm noch folgenden schönes Zitat:

"Es gibt, ihr Mönche, ein Nichtgeborenes, ein Nichtgewordenes, ein Nichtgemachtes, Nichtverursachtes. Wenn es, ihr Mönche, dieses Nichtgeborene, Nichtgewordene, Nichtgemachte, Nichtverursachte nicht gäbe, so ließe sich für das Geborene, das Gewordene, das Gemachte, das Verursachte kein Ausweg finden. Weil es aber, ihr Mönche, ein Nichtgeborenes, Nichtgewordenes, ein Nichtgemachtes, ein Nichtverursachtes gibt, darum findet sich auch ein Ausweg für das Geborene, Gewordene, Gemachte, Verursachte ...

Bei dem, was von anderem abängig ist, gibt es Bewegung, bei dem, was von nichts anderem akhängig ist, gibt es keine Bewegung. Wo keine Bewegung ist, da ist Ruhe, wo Ruhe ist, da ist kein Verlangen, wo kein Verlangen ist, da gibt es kein Kommen und Gehen, wo es kein Kommen und Gehen gibt, da gibt es kein Sterben und Wiederentstehen, wo es kein Sterben und Wiederentstehen gibt, da gibt es weder ein Diesseits noch ein Jenseits noch ein Dazwischen " (Udana VIII).

Das Problem, dass ich bei dem Begriff "Selbst" sehe, und den der Buddha meiner Meinung nach umschiffen wollte (und den Wei Wu Wei (irischer Philosoph und Mystiker des letzten jahrhunderts) versucht hat mit seiner Aussage, dass Leerheit und Selbst Abwesenheit von Anwesenheit und Abwesenheit sei, zu umschiffen suchte, ist, dass sobald man sagt: Selbst, man ein Objekt daraus macht, was ich (auch ein Objekt meiner selbst) zu erlangen versuche, hat man es verfehlt.
Nach neueren Advaita Konzeptionen, und da seh ich die Sichtweise des Buddhas nicht anders, gilt: alles, von dem ich denke, dass ich es bin, kann ich nicht sein. Alles, was das Bewusstsein erfassen kann, sind Inhalte des Bewusstseins, nicht das Bewusstsein selber. Das Tao, von dem etwas gesagt werden kann,ist nicht das wahre Tao, meinte Laotse. Der zweite Punkt hat Buddha so formuliert: "Ereignisse tragen sich zu, Taten werden getan, doch es gibt kein Individuum, das Taten verrichtet." Da ist niemand, der tut, sozusagen Der Hirnforscher Wolf Singer (um mal eine nicht-religiöse Anschauung noch einzubringen) meint auch, dass die Entscheidungen schon längst gefällt worden, wir sie nur noch als unsere Entscheidungen interpretieren. Das weisst für mich in die selbe Richtung. Sozusagen stimme ich mit deiner Idee der Erleuchtung als Gnade (oder wie ein Zenmeister mal gesagt hat als Zufall oder Unfall) überein, aber es gibt niemand der Gnade gewährt und niemand, dem sie widerfährt.
Hauptprobleme/fragen wären dann: Kann das Nichtbedingte durch Bedingungen erreicht werden, wie komm ich von hier nach hier?
Irgendwie finde ich fragende Ansätze des Advaita und lauschende Ansätze, weil sie beide eigentlich die Frage, das unsichere, offene in den Mittelpunkt stellen, für verständlicher, als: Das ist so und so. Irgendjemand hat einmal gesagt: Alles ist offenbar. Und alles ist ein Mysterium. (oder um meinen Lieblingssatz aus der katholischen Tradition zunehmen: Geheimnis des Glaubens). Es lebt. Und es schneit.

Alles Liebe
Giri
"I have given you all I have with all my heart and love. It is for you to give to others. Sometimes I may not know all the answers, and I know that I have a long way to go. If you didn't get anything, that's because of my lower emotional nature. If there was anything good you got, it came from my great Master Sivananda. I don't say that I'm an unemotional person. I scolded and talked endlessly. I acted like a dictator. If I were like my master, or like Jesus, I could wash the feet of my disciples. But for that one must be very high. It can only be done when the ego is gone. If I were to do it, it would be hypocrisy. I'm not that high. Once, some years ago, I prostrated myself before a man to whom I had been rude and impatient. As I was doing it, I was thinking 'How humble I am.' So don't look for an easy way to overcome your ego. For years I've tried. I watch myself as my ego manifests itself. I analyze. But it clings like a leech. When we can't control ourselves, we should offer it to the Lord: 'Oh Lord, I offer it to Thee!' And now, if in any way I hurt your feelings, I ask you with all my heart to pardon me."
Swami Vishnu Devananda
There is nothing new to get.
You have on the other hand,
to get rid of your ignorance,
which makes you think you are other than Bliss.
For whom is this ignorance?
It is to the ego.
Trace the source of the ego.
Then the ego is lost and Bliss remains over.
It is eternal You are That, here and now...
This is the master key for solving all doubts.
The doubts arise in the mind.
The mind is born of the ego.
The ego rises from the Self.
Search the source of the ego and the Self is revealed.
That alone remains.
The universe is only expanded Self.
It is not different from the Self...
Ramana Maharshi

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