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Schönen Guten Abend,

 

ich bin neu hier - möchte ein bisschen mehr über Yoga erfahren und habe mich deshalb hier angemeldet. Durch den täglichen Stress fing ich mit Yoga an und es tut mir so gut. Ich fühle mich und meinen Körper wieder - dieses Gefühl habe ich vorher nicht mehr gekannt. Ich nehme mich und meine Umwelt ganz anders wahr. Für mich ist Yoga eine positive Bereicherung für mein Leben.

Seit 6 Monaten mache ich nun Yoga und meine Freunde sagen, dass ich mich so ins Negative verändert hätte. Ich selbst, habe das Gefühl, sie sind alle so "laut" oder hektisch und ich bin jetzt eher ruhig und gelassen. Mein Verhalten wirkt sich auch schon auf meinen Freundeskreis aus und ich merke immer mehr, wer es gut mit mir meint oder wer es nicht so gut meint. Ich habe schon zwei (angeblich) gute Freundinnen verloren, weil ich gemerkt habe, das Neid und Missgunst mehr für sie ist, als eine tiefe Freundschaft. Ich kenne sie seit 7 Jahren und habe wohl nie gemerkt, wie sie wirklich sind - sie zu verlieren tat mir sehr weh, weil sie eigentlich wichtige Menschen für mich waren.

Nun will ich euch fragen, habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich habe schon oft gehört, dass man sich verändert. Ging es euch auch so, dass ihr euch verändert habt und deshalb Freunde gingen? Diese "Freunde" sagen, dass ich mich so ins Negative verändert hätte - aber seit ich Yoga mache, geht es mir so gut wie noch nie. Wenn früher etwas schief ging oder nicht so lief, wie ich es mir vorstellte, dann steckte ich gleich den Kopf in den Sand oder verlor schnell ein Ziel aus den Augen - das habe ich seither nicht mehr gemacht, weil ich immer wieder durch Yoga die nötige Kraft gefunden habe.

Ich danke euch für eure Antworten und bin gespannt, wie es bei euch war.

Liebe Grüße

Manuela

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Hallo Manuela,

das sind ganz typische Veränderungen, die Du da in Deinem Umfeld bemerkst. In der "Yoga Aktuell" ist hierzu vor Jahren mal ein satirischer Text von Max Strom veröffentlicht worden, der so gut ist, dass ich ihn Dir nicht vorenthalten möchte:

"Er war ein ganz normaler, Cappucino trinkender Partylöwe. Dann fing er mit Yoga an - und es kam Schlag auf Schlag.
Es ist wirklich eine traurige Geschichte. Ich war ein ehrgeiziges, aufwärtsstreben- des, heißblütiges Mannsbild. Und dann geschah es. Dieses Wort aus vier Buchstaben bestehend: Y-o-g-a. Es kam wie 10 Tonnen Karma auf mich herabgeprasselt, krachte auf mein aufgeblasenes Selbst- Image und zerschlug die ganze Welt, die ich bis dato kannte. Es gibt viele traurige Geschichten über Yoga. Diese ist die meine.
Ich erinnere mich noch lebhaft an die guten alten Tage - das Geräusch von Eisen und Stahl im Fitnesscenter. Ich stemmte tapfer meine Eisengewichte, während die Stimme meines Trainers durch die Räume hallte. Oder ich saß in einem netten Restaurant, genüsslich in die Speisekarte vertieft, und konnte alles auswählen, was immer mein Herz begehrte.
Ich erinnere mich weiter an all die Nächte, in denen ich bis in die Morgenstunden hinein mit meinen Kumpeln in rauchigen Kneipen herumlungerte, Geld und Zeit vergeudete. Und wie könnte ich die Frühstücke vergessen, die gelegentlich 4 Uhr Morgens stattfanden, und die so fetthaltig waren, dass sie unvermeidlich zu der schmerzvollen 9 Uhr Magenverstimmung führten. Das Leben ist kurz genug - also genieße es, dachte ich mir.
Doch das war einmal. Und jetzt ist es nicht mehr. Ich erinnere mich an den Tag, als ich zum ersten Mal die Worte hörte: "Gebrauche deinen Atem..." Es drang mir durch Mark und Bein.
Wie sehr hat doch dieses Yoga mein Leben ruiniert. Anfangs wäre ich fast geneigt gewesen, dieser Geschichte den Titel "Machst du Yoga - verlierst du Freunde" zu geben. Die Leute fingen an, über mich zu tuscheln. Man meinte ich wäre etwas sonderbar geworden und sie verzogen dabei die Gesichter.
Wenn du deinen Kollegen gegenüber tatsächlich eingestehst, dass du dich zum Yoga hingezogen fühlst und dass dein Leben sich dadurch total verändert hat, musst du damit rechnen, dass am anderen Ende der Telefonleitung der Hörer aufgeknallt wird. Meine Freunde spürten instinktiv was Yoga für Konsequenzen nach sich zieht.
Es beginnt damit, früh ins Bett zu gehen. Ich meine nicht schon um ein Uhr, nein, früher, viel früher. Manchmal sogar schon um 22 Uhr. Dann aufstehen zwischen 5.30 Uhr und 6.00 Uhr in der Frühe. Versuch' doch einmal in einer Großstadtmetropole, mit diesem Zeitplan ein geregeltes soziales Leben zu führen. Doch es kommt noch schlimmer. Du fängst damit an, deine Essgewohnheiten an deine Yogapraxis anzupassen. Als nächstes sind es die Tagesabläufe, die rund um  das Yoga geplant werden und schließlich das ganze Leben.
Und um zu beweisen, dass man nach wie vor ein ganz normaler Mensch ist, lässt man sich eines Abends dazu überreden, tanzen zu gehen. Man kippt rasch eine Tasse Cappucino hinunter, den man zu trinken erst kürzlich aufgegeben hatte, und wirft sich in sein bestes Outfit (das einem plötzlich besser steht denn je ).
In dem Moment jedoch, wo du die Disco oder Party betrittst, wird dein sensibel ausgerichteter Körper von einem Heer von Spannungen ergriffen. Es herrscht Krieg. Musik, die man für gewöhnlich als laut bezeichnete, ist plötzlich ohrenbetäubend. Es gelingt dir, deine Freunde in senfgas- ähnlichen Zigarettenrauchwolken auszumachen. Es brennt in Nasenlöchern und Augen. Man wundert sich plötzlich wie man selbst jemals rauchen konnte. Aber wie sprechen denn die Leute? Was für Gedanken haben sie bloß? Dann platzt es dir von den Lippen: "Würde es euch etwas ausmachen, wenn ich schon mal aufbreche?" Du hättest genauso gut sagen können: "Übrigens, ich bin kürzlich Steuerprüfer beim Finanzamt geworden." Die Kinnladen der Freunde fielen nach unten und ihre Augen sprachen Bände. Ich war plötzlich ein Fremder für sie geworden.
Vielleicht geben sie dir dann noch eine letzte Chance. Sie rufen ein paar Tage später bei dir an: "Lass uns doch zusammen zu Mittag essen." Du schlägst daraufhin ein hübsches neues veganisches Restaurant vor. Dein Freund stutzt: "Bitte erzähl' mir jetzt bloß nicht, dass du auch noch Vegetarier geworden bist." Eine Diskussion entflammt. Schließlich sagt er: "Also gut vergiss es und lass uns auf 'ne Tasse Kaffee treffen." Du antwortest: "Aber ich trinke keinen Kaffee mehr-" Knacken am anderen Ende der Leitung - aufgelegt.
Gewöhne dich daran. Sie werden es nie verstehen. Und warum sollten sie auch. Großstadt, Szene, Partys, wahnsinnig interessante Leute. Schau genau hin, was wir aufgeben. Und wofür geben wir es auf? Glücklich-Sein? Ja sind wir denn verrückt? Vielleicht sind wir ja auch nur ein paar Abhängige - Yoga-Junkies, die sich nach der nächsten Asana-Haltung sehnen...dem nächsten Schuss an Glückseligkeit...nach dieser einen Stunde Frieden...nach einem bisschen Himmel.
In den Augen einiger Zyniker ist Yoga nichts anderes als eine selbstauferlegte Fessel. Doch mir ist bewusst, dass ich fortan an etwas Unaussprechliches gebunden bin, nur kann ich diese neue Struktur in meinem Leben noch nicht gänzlich erfassen. So oder so, es scheint, dass wenn man einmal drin ist, man auch drin bleibt. Da gibt es kein Zurück mehr. Für uns gibt es keine Entzugsanstalt. Nikotin ist im Vergleich zu der ujjayi pranayama Kinderkram. Wahrlich, es tut sich eine erstaunliche "Neue Welt Ordnung" auf.
Also, gib deinem alten Leben den Abschiedskuss und häng' es zu den alten Hüten an den Haken. Wir sind nur einen Atemzug weit vom wirklichen Glück entfernt."
 Max Strom.

 

Lieber Gruss, Andreas

Danke Andreas, für diesen wundervollen Text und das Schmunzeln im Gesicht.

Lieben Gruß

Corinna

Dankeschön lieber Andreas.

Der Text ist wirklich zum Schmunzeln - mir bekommt vieles bekannt vor...

Liebe Grüße

Manuela

Hallo Manuela,

mir ging es ganz genau so. Ich habe vor einiger Zeit eine ähnliche Frage hier gestellt. Kannst ja mal auf meiner Seite nachlesen, ich habe auch ganz wunderbare Antworten bekommen, die mir weitergeholfen haben. Auch ich habe mich über Freunde geärgert. Es ist wirklich so, das Leben verändert sich, aber das ist nichts schlimmes, im Gegenteil es ist ganz wunderbar und spannend zu beobachten. Und solange es dir gut geht dabei , du Freude empfindest und dein Herz lächelt, kann es doch gar nichts negatives sein. Deine Freunde haben eine andere Sichtweise auf die Dinge, sei vielleicht nicht ganz so streng mit ihnen, sie sind einfach noch nicht so weit.

Viel Freude auf deinen Weg

Corinna

Hallo Corinna,

Danke für deine Antwort. Ich habe es auf deiner Seite gelesen.

Mich verwirrt es noch ein bisschen, dass ich plötzlich fast keinen Draht mehr zu meinen Freunden finde - die ich seit Jahren kenne. Aber es beruhigt mich, dass es auch anderen so geht.

Liebe Grüße

Manuela

Hallo Manuela,

der Artikel, den Andreas gepostet hat, malt es ja schon ganz schön aus. Was mich trotdem sehr verdutzt ist, daß Deine "Freunde" es offensichtlich negativ finden, daß es Dir gut geht.

Das hört sich jetzt vielleicht hart an aber ich muß es trotzdem schreiben: Zeit, um aufzuräumen !!

Daß es Dir so gut geht wie nie, ist das einzige, was wichtig ist ! Und wem das nicht paßt, an den solltest Du Deine Aufmekrsamkeit und Deine Zuneigung nicht verschwenden. Du wirst sehen, daß Menschen in Dein Leben treten, die Dir gönnen, daß es Dir gut geht, die wollen, daß es Dir gut geht und die Dich so mögen, wie Du bist.

Ich habe mal einen klugen Satz gehört: Only small people try to belittle you.

Laß' Dich nicht verunsichern, laß' Dich nicht kleinreden und tu' was Dein Herz Dir sagt.

Viel Glück auf Deinem weiteren Weg :-)

Liebe Grüße

Andrea

Hallo Andrea,

Danke für deine lieben Worte. Mich verwirrt es auch noch - ich glaube, dass ich sie vorher mit anderen Augen gesehen habe, da ich durch Stress, Hektik, Job usw. nicht wahrgenommen habe, wie meine Freunde wirklich sind. Wie du schon sagtest: Zeit, um aufzuräumen...mir fällt es noch schwer los zu lassen. Aber mittlerweile glaube ich auch, dass es besser ist solche "Freunde" nicht weiter als Freunde zu bezeichnen. Ich habe nur etwas Bedenken, dass mein gewohnter Freundeskreis so langsam immer kleiner wird.

Dein Kluger Satz gefällt mir :-)

Liebe Grüße

Manuela

Der Text von Andreas bringt es auf den Punkt .... glaube auch das jeder Veränderungen in seinem Umfeld fesgestellt hat ....

manches positiv, einiges negativ (Bei mir eigentlich nur positiv :-) )

Gruesse aus Indien

Auf jeden Fall ... ruhiger, sensibler, verständnisvoller, genussvoller, intensiver, gesünder ... sind nur einige Begriffe die mir einfallen.

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