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Muss ein Yogi immer nett sein?

Zu mir kommen viele Menschen, die sich einfach aussprechen wollen oder ihren Frust von der Seele reden wollen, die Rat von mir wollen. Vieles macht mir dann lange noch Kopfzerbrechen. Ich helfe, wo ich kann, aber manchmal ist mir auch alles zu viel und ich fühle mich wie ein seelischer Mülleimer. Wenn ich dann sage: heut nicht, wird mir das dann sogar übel genommen. Wo ist die Grenze? Hat nicht jeder das Recht auch energisch einmal NEIN zu sagen?

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Vermutlich geht es hier nicht um ein Recht.
Und ich glaube auch nicht, dass es darum geht, dass man als Yogi immer nett sein muss ;-) Obwohl ich gut verstehen kann, was du meinst.

Vielleicht lässt sich Yoga als ein Weg zum Glück beschreiben, zu ungetrübtem Frieden. Und es gibt bestimmte Grundsätze, die uns helfen können, das zu erreichen. Zum Beispiel, wie im Aspekt des Karma Yoga, dass man Mitgefühl und Selbstlosigkeit praktiziert, dass man also gütig ist, wohlwollend, und sich darum bemüht, anderen zum Glück zu verhelfen.
Das, was du zum Beispiel beschreibst, ist zweifelsohne ein wohltuender Dienst an anderen. Auf der anderen Seite, sobald das zu viel wird und dadurch ein unangenehmes Gefühl entsteht, fordert das natürlich eine Lösung - denn schließlich ging es um die Verwirklichung von Frieden, nicht von Missmut.

Aus meiner Perspektive ist die Motivation entscheidend. Innerhalb dieser geistigen Haltung der Selbstlosigkeit macht es sowohl Sinn, eine Grenze zu ziehen, um wieder Kraft zu sammeln, die anderen zu gute kommen kann, als auch, diese bisher grenzwertige Situation als Übung zu benutzen, um den Geist von eher selbstsüchtigen Aspekten zu reinigen.

Aus der Perspektive der westlichen Psychologie jedoch besteht klar eine Priorität darin, die individuelle Persönlichkeit zu schützen und zu stärken, das hieße in diesem Fall: klare Grenzen setzen, sich zurückziehen, und auf gar keinen Fall einen Gedanken daran verschwenden, wie sich die anderen dabei fühlen, denn das ist ihre Sache.

glg
liebe shivapriya,lieber omhart,
ja westliche psychologie fördert durchaus die abgrenzung, da habe ich die gleichen erfahrungen.
doch ich spüre immer mehr, dass alles kommt und geht, lass es so sein als beobachter, umbeteiligter.
indem moment, wo jemand rat oder hilfe sucht, sei ganz da,voller mitgefühl und lass es dann durch
dich durch fliessen,,als teil von allem. das führt zu einer für mich neuen lebenshaltung, wo jede anhaftung
wie eiversucht,leid,begierde,wollen,ansprüche etc an bedeutung verlieren. immer noch erlebe ich diese
zustände, doch bin ich in dem zustand von gleich-demut kann alles passieren und es ist ok so, ohne
bewertung von gut oder schlecht. ich hoffe, ich konnte meinen zustand etwas beschreiben. es ist nicht so
einfach und glaubt mir das war und ist ein langer weg für mich.... so ham :) andre
Lieber OMhart,
jeder hat das Recht "NEIN" zu sagen. ICH würde sagen, nicht nur das Recht sondern auch die Pflicht.
So, dann finde ich, dass man auch "nett" nein sagen kann. "Nein" zu sagen hat nichts mit nicht nett
zu sein zu tun.
Meditiere regelmäßig und dir fällt es leichter mit den Problemen anderer umzugehen. Ja, ja, das klingt
einfach, ist aber so.
Liebe Grüße
Herbert
Hallo OMhart,

gute Frage:-)
Ich würde sagen: NEIN! Mann muss nicht immer nett sein. Man darf auch mal "Nein!" sagen.

Ich sehe immer wieder , welche Erwartungen an einen Yogalehrer gestellt werden. Sowohl Schüler , als auch eigene Freunde und Bekannte. Wirklich erstaunlich!
Es wird erwartet, beziehungsweise vorausgesetzt, dass man

- immer gut gelaunt mit einem sonnigen Gemüt in den Tag hinein lächelt,
- selbstverständlich vegetarier ist,
- natürlich niemals hektisch oder gestresst ist, sondern immer tiefenentspannt,
- die Welt versteht und jedem erklären kann,
- man immer ein offenes Ohr hat für die Probleme der Mitmenschen und athoc einen guten Rat dazu weis,

......ich weis nicht wieviel Beispiele ich noch bringen soll.........

Ist ja auch gar nicht böse gemeint. Aber manchmal habe ich schon das Gefühl, dass ich bei manchen Dingen anders beurteilt werde. Ich fühle mich oft beobachtet, weil immer alles kommentiert wird. Das natürlich nur im Freundeskreis - > Fremde sagen recht wenig.

Beispiele:
Ich hab ´nen sehr stressiegn Job und bin eben auch manchmal genervt und gereizt. Dann heist es gleich : "Hey, was´n los? Du machst doch Yoga."

Ich bin noch nicht ganz Vegetarierer, aber auf dem Weg dahin und streiche langsam immer mehr tierische Lebensmittel . Vor zwei Monaten allerdings habe ich noch eine Wurstsemmel gefrühstückt und völlig perplexe Reaktionen erhalten. Teilweise war man regelrecht schockiert ( und hier handelt es sich um Leute die NICHTS mit Yoga zu tun haben).
Wenn wir bei Freunden zum Grillen sind, wird regelrecht erwartet, dass ich fleischlose bleibe, oder halt nur den Kartoffelsalat esse.
Wenn ich im Bioladen einkaufen war und auch mal ökologisch korrekte Sätze sage oder Wert drauf lege, dass man Müll trennt, das Licht nicht unnötig brennen lässt und Wasser beim Zähneputzen nicht laufen lässt, heist es gleich: Unser Yogi ........ist halt ´ne Öko.

Das nervt!!!
Ich bin auch nur Mensch und darf /muss nicht weniger /mehr als andere auch.
Und ich bin zwar gerne für andere da, aber eben auch kein seelischer Mülleimer. Dann hätte ich nicht Yogalehrer werden müssen, sondern Therapeut und könnte ein Schweinegeld dafür verlangen;-)

Oder??

LG ShivaDiva
Lieber Omhart, du scheinst ja den Menschen schon viel Verständnis und Mitgefühl entgegen zu bringen, sonst würden sich nicht so viele an dich wenden. Wenn du kein "Nein" schaffst, dann wirst du wirklich zu dem Mülleimer werden, der niemandem mehr etwas zu geben vermag. Ich bin überzeugt, dass du das "Nein" wertschätzend und als Ich-Botschaft, mit denen du andere nicht angreifst, rüberbringen kannst. Ist Authenthizität mit einer klaren Wahrnehmung nicht viel eher mit dem Yoga vereinbar als ein unaufrichtiger "Pseudo-Gutmensch" zu sein? Das schafft ja wohl niemand. In diesem Sinne viel Mut und Zuversicht, deiner Selbstwahrnehmung zu vertrauen! Om shanti Madeleine
Lass uns mal mit einer Schweige-, Atemviertelstunde anfangen. Dann sprechen wir weiter.

Vielleicht geht es so. MFG
Lieber OMhart,

ich finde, den ersten Schritt hast du schon gemacht, wenn du sagst: "Heut nicht!" Wenn sie es dann übel nehmen, ist es doch ihr Problem und ihre persönliche Schwäche. Außerdem scheinst du sehr verständnisvoll zu sein, wenn so viele Leute deinen Rat suchen. Ist doch auch irgendwie ein Kompliment an dich. Sag einfach "Nein", wenn es dir reicht und wenn du Lust hast zu helfen, dann tu es. Liebe Grüße! Jasmin
Danke für Deine Gedanken, Ratna, aber ich kann schlecht eine Rolle spielen, bin zu ehrlich dafür. Was ich mache, mache ich schon aus freien Stücken und würde nie sagen: "ich habe, als musst du jetzt auch..." Ich hätte es ja nicht machen müssen. Also verlange ich dafür auch keine Gegenleitung, weißt Du?! Aber oft ist es so, dass ich zu spät merke, dass mir die "Energie-Vampire" die Energie rauben und meine plötzlich alle ist. Bei denen, wo immer ein Nehmen und Geben ist, ein Yin und Yang, da merkt man das nicht und da macht es auch Spaß zu helfen. Ist schon nicht immer leicht, aber wer sagt, dass das Leben leicht ist?! Liebe Grüße! OMhart
OM

Namaste, lieber Ratna!

Ich danke Dir von Herzen für Deine guten Worte und die viele Mühe, die Du Dir für diese Antwort gegeben hast! Du hast Recht, ich lasse meine Energie ungebündelt auf andere wirken, dadurch zapfen sie mich an und ab und ich "habe" nichts davon, nur Energie- Mangel...
Klar, super Dein Rat, ich werde es beherzigen und so versuchen umzusetzen!
Was ist Karma- Yoga? (Ich bin noch neu und weiß das nicht.)

OM Shanti und liebe Grüße OMhart
Zum einen stimme ich dem Beitrag von Maxim Kuschpel voll zu, da hat er mir viel Tipparbeit erspart ;-)
Der genaue Zusammenhang ist der:
Zuerst musst Du für Dich selbst sorgen, vorher kannst Du nicht wirklich Gutes für Andere tun.
Wenn Du also "generft" zuhörst, bringt das dem Erzähler nix.
Es wird zu einer Entfernung voneinander führen.
Und ob du nun ein Yogi bist oder was, ist in diesem Zusammenhang irrelevant.

Hier der Link zum Audio-book zum sofort-Hören ;-)
Und speziell zum Thema "nett kontra echt"
Und speziell zum Thema "nett kontra echt" dieses Buch

Viel Spaß damit!
Ich sage mal, entschieden: NEIN! Warum sollte das so sein? Ein Yogi ist doch in erster Linie "nur" ein Yoga-Übender. Gefühle unterdrücken, führt dazu dass man kalt wird.

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