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Was ist mit der Enthaltsamkeit? Können Yogapraxis und Sexualität nebeneinander bestehen und koexistieren?

Die Sexualität, im Yoga mit dem Prana vayu umschrieben, und der Selbst-, bzw. Arterhaltungstrieb gehören zu den zentralen menschlichen Instinkten. Aktiviert wird die Apana vayu vom Muladhara Chakra. Sie steuert den Atem und alle Ausscheidungsvorgänge des Organismus. Ist aber das zweite, das Swadhistana Chakra der Ausgangspunkt, dann wandelt sich die Energie in eine sexuelle, außerordentlich machtvolle Energie. Ohne diese schöpferische Energie, die neues Leben erschafft, gibt es keine Kreativität und keine Liebe.

Der sexuell motivierte Mensch wendet sich dem Partner zu, der kreative wandelt sie in eine erschaffende Handlung. Sie lässt sich aber auch in eine spirituell transformierte Energie umwandeln, mit der sich andere Bewusstseinebenen erschließen lassen. Diese Umwandlung in Ojas während der Energiearbeit geschieht durch Pranayama (Atemübungen), Mula bandha (dem Zusammenziehen der Beckenbodenmuskulatur), Ashwini mudra (Kontraktion des Schließmuskels), verschiedene Umkehrstellungen, langes Halten von Asanas, tiefe Meditation und intensive Mantra-Rezitation oder einigen der praktischen Kundalini-Übungen.

Leben die Partner in einer Beziehung sattvisch, (übersetzt etwa klar, rein, hell) und nicht rajasisch (gierig und egoistisch) oder tamasisch (rücksichtslos und träge), dann lassen sich sinnliche Bedürfnisse positiv für beide nutzen.

Unsere Bedürfnisse lassen sich in vier Kategorien einteilen, die wir auf Sanskrit Purusharthas nennen:
Kama: Satisfaktion unserer sinnlichen Bedürfnisse.

Artha: Satisfaktion unseres Wohlstands- und Machtwunsches und die Erfüllung des persönlichen Wohlergehens

Dharma: Unser persönliches Engagement in Beruf, Familie und auch soziales und politisches Engagement nach westlich-humanistischer Sicht

Moksha: Befreiung von empfundenen Zwängen

In einer idealen Partnerschaft sollten unsere Bedürfnisse also sattvisch gelebt und erfüllt werden. Dazu gehört das Geben und Empfangen von Liebe, die sich nicht nur auf den Partner sondern auch auf Kinder und Angehörige ausdehnt. In Indien sind auch Lebensformen, die unseren Konventionen widersprechen, gemeint. Eine Partnerschaft besteht nicht nur aus sexueller Befriedigung, sondern die Liebe erreicht auch eine geistige Ebene. Man öffnet sich dem anderen und bringt gerne Opfer füreinander.

Wie lassen sich alle vier Purusharthas in einer Beziehung verwirlichen?
Kama: Das Bedürfnis und die Erfüllung von sexuellen Bedürfnissen aber auch ein zärtliches Miteinander und das Gefühl von Geborgenheit als Grundlagen.

Artha: In einer Partnerschaft sollten die Aufgaben gerecht geteilt aber auch klar zugeordnet sein.

Dharma: Es ist nötig über den eigenen Tellerrand zu blicken und die gegenseitige Liebe auch nach außen weiterzugeben, sei es an die eigenen Kinder oder auch im Einsatz für das Gemeinwohl. Sich in einer Beziehung einzuigeln und sich selbst zu genügen kann eine Partnerschaft nicht erfüllen. Die Partner müssen offen sein für die Bedürfnisse anderer Menschen um sich herum.

Moksha: Sich auf dem spirituellen Weg zu ergänzen, sich Vorbild zu sein und einander zu folgen kann einen befreienden Einfluss auf eine Beziehung haben. Sich aneinander zu klammern oder den anderen als Ausrede für spirituelle Einschränkungen zu nutzen, blockiert die Liebe zweier Menschen.

Wenn der eigene Partner keine Affinität zum Yoga und dem spirituellen Weg des anderen hat, muss doch die Akzeptanz des anderen in seiner Sinnsuche durch Respekt und Achtung geprägt sein, damit die Wege mindestens parallel laufen können, wenn ein gemeinsamer Weg nicht möglich ist. Daran wächst jede Beziehung.

Aus einem Interview in der Yoga Aktuell mit Sukadev Bretz.

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Erklär mal genau was du meinst .... !

tja...also was ich sagen wollte...wie kann man zwischen inneren und äusseren ererlebnissen unterscheiden, da doch, zumindest aus meiner sicht, alle eindrücke duch unsere sinnesorgane vermittelt werden?

 

ohne anspruch aufallgemene gültigkeit oder so würd ich doch alle anderen erlebnisse ins reich der metaphysik verbannen, sprich. unser geist ist meister darin, sich die dinge so zurechtzuzimmern, dass sie gerade ins aktuelle weltbild passen.

 

aus meiner sicht ist z.b. raum und zeit ein typisches konstrukt unseres geistes, einerseits als orientierungshilfe, andrerseits auch, um die umwelt besser zu klassifizieren.

 

dinge wie "innere wahrnehmungen" oder "leben nach dem tod" würd ich jedoch weit von mir weisen, rein schon auf grund der tatsache, dass das ein bisschen zu gut in's wunschdenken vieler zeitgenossen passt.

 

um die aussage etwas poetisch abzurunden, ein zitat aus der flamencoliteratur:

 

" wer glaubt, er sei etwas besseres, der soll auf den friedhof gehen. dort sieht er was das leben ist...eine hand voll erde"..:-)

tja...also was ich sagen wollte...wie kann man zwischen inneren und äusseren erlebnissen unterscheiden, da doch, zumindest aus meiner sicht, alle eindrücke duch unsere sinnesorgane vermittelt werden?

-- Ist es nicht so, das alle unsere Erlebnisse, Erfahrungen rein geistige Geschehnisse sind? Ohne Geist oder Bewusstsein erleben wir gar nichts! Auch die durch Sinneseindrücke angestossenen Erlebnisse müssen durch den Geist erfahren und wahrgenommen werden! Und die sogenannten äusseren Erlebnisse sind eine Simulation oder Konstruktion unseres Gehirns. Wir nehmen nur einen geringen Teil der äusseren Geschehnisse wahr. Haben aber zusätzlich noch Erfahrungen die nicht durch äussere (via Sinneseindrücke) Einflüsse bedingt sind. Zum Beispiel Träume.



ohne anspruch aufallgemene gültigkeit oder so würd ich doch alle anderen erlebnisse ins reich der metaphysik verbannen, sprich. unser geist ist meister darin, sich die dinge so zurechtzuzimmern, dass sie gerade ins aktuelle weltbild passen.

-- Richtig! Unser Geist ist der Meister, der sich sein Erleben zurechtzimmert. Unsere Erfahrungen sind nur eine SIMULATION! Manchmal stimmt diese besser, manchmal schlechter mit der Objektiven Wirklichkeit überein.



aus meiner sicht ist z.b. raum und zeit ein typisches konstrukt unseres geistes, einerseits als orientierungshilfe, andrerseits auch, um die umwelt besser zu klassifizieren.

-- Das ist eine Aussage, die auch irgendein Mystiker getroffen haben könnte! Aber mit dem nächsten Satz widersprichst du diesem Gedanken wieder.



dinge wie "innere wahrnehmungen" oder "leben nach dem tod" würd ich jedoch weit von mir weisen, rein schon auf grund der tatsache, dass das ein bisschen zu gut in's wunschdenken vieler zeitgenossen passt.

-- Wie schon geschrieben, du selbst zimmerst dein eigenes Weltbild zurecht wenn du etwas von dir weist. Es ist ziemlich sinnlos über solche Erfahrungen zu diskutieren. Entweder du hast solche Erfahrungen selbst gemacht oder nicht.
Falls du schon mal "äussere Erlebnisse" intuitiv oder in einem Traum erfahren hast bevor diese sich erst zu einem späteren Zeitpunkt in der sogenannten Realität erreignet haben, dann erst wird dir klar sein, das es sich dabei nicht um reines Wunschdenken handelt!
Falls du Yoga praktizierst -- und damit meine ich nicht akrobatische oder rein die körperliche Fitness betreffende Übungen--, dann wirst du solche Erfahrungen machen!



um die aussage etwas poetisch abzurunden, ein zitat aus der flamencoliteratur:

" wer glaubt, er sei etwas besseres, der soll auf den friedhof gehen. dort sieht er was das leben ist...eine hand voll erde"..:-)


-- "Wer mit Ausdauer mystische Übungen betreibt, erkennt das eine handvoll Erde auch nur eine geistige Erscheinung im BEWUSSTSEIN ist!" :-)

also da bin ich nicht ganz deiner meinung, denn ich finde, dass yoga zwar eine gute sache ist, aber doch ziehmlich überschätz wird, was die spirituellen erfahrungen betrifft.

 

z.b. lassen sich meiner meinung nach alle erlebnisse, die im jargon als erweitertes bewusstsein kursieren, in der regel auf eine erhöhte oder reduzierte sauerstoffzufuhr zurückführen.

 

dass man das gefühl hat, man schwebt oder es kribbelt oder man fühlt isch leicht oder was auch immer...ist aus meiner sicht ein rein biologisches oder, um das schöne wort zu gebrauchen, ein biomechanisches phänomen.

 

dass man sich dadurch zu geistiger grösse + bewisstsein verleiten lässt ist zwar naheligend, kann aber doch als leichtgläubig oder eitel abgetan werden.

 

immerhin kann man dem yoga zugute halten, dass es den drogenkonsum nicht propagiert, wie z.b. die bewusstseinserweiternden strömungen aus früheren zeiten, sondern quasi mit der hausbar arbeitet, also dem vegetative nervensystem.

 

ein gutes buch zu diesem thema find ich übrigens aldous huxley - die pforten der warhnehmung.

 

zu meiner verteidigung möchte ich noch festhalten, dass ich seit ca. 6 jahren yoga übe, aber keineswegs im akrobatischen bereich, mehr so "i dont wana loose my bones"..:-)

 

@loosebone

Wie du selbst geschrieben hast, -- du kannst dir die Dinge so zurechtzimmern, dass sie in dein aktuelles Weltbild passen. Und du bist ein Meister darin. ;-) Deshalb kannst du natürlich andere als eitel oder leichtgläubig abtun. Und vielleicht hast du damit Recht. Möglicherweise aber auch nicht.

Du hast deine Meinung und andere Menschen haben eine andere Meinung.
Möglicherweise haben aber andere Menschen nicht nur eine Meinung sondern auch ERFAHRUNGEN, auf die sich diese Meinungen stützen.

Was ich nicht verstehe, weshalb schreibst du diesen Satz :
"aus meiner sicht ist z.b. raum und zeit ein typisches konstrukt unseres geistes, einerseits als orientierungshilfe, andrerseits auch, um die umwelt besser zu klassifizieren."
Das seh ich als eine klassische Aussage eines Mystikers oder Yogis.

Was genau ist jetzt deine Meinung? Ist der Geist ein biomechanisches Phänomen? Oder sind Raum und Zeit Konstrukte unseres Geistes? --- Ich seh da einen Widerspruch.

Ausserdem, du mußt dich nicht verteidigen. Du bist nicht angeklagt und wirst auch nicht angegriffen. :-)

Alles Gute
k*

ich schreibe halt einfach, was mir so durch den kopf geht.

 

dass jeder seine eigenen ansichten und erfahrungen hat möchte ich keines wegs in frage stellen.

jeder empfindet die dinge auf unterscheidliche weise.

so sollte es aber auch möglich sein, dass ich hier ein paar kontroverse gedanken loswerde.

 

zumindest find ich die aussagen von pascal reine spekulation und was du sagst wirkt auf mich recht blauäugig.

 

einzig was mich etwa stört ist der satz mit dem klappe halten...diese gepflogenheit sollte doch niemand befürwortenswert finden. das wirkt auf mich intolerant und autoritär.

 

ich spüre da einen gewissen dogmatismus heraus, der mir nicht ganz geheuer ist!

 

gruess,

t

Hallo loosebone

 

"was du sagst wirkt auf mich recht blauäugig."

Wen du das schreibst, dann ist es wohl so. Ich bin aber eigentlich braunäugig. :-)

 

Und du bist auf meine Frage nicht eingegangen. Aber egal. Machs gut, oder besser.

 

Alles Gute

k*

oh, es liegt mir absolut fern jemanden zu verunglimpfen. ich finde dass so eine plattform unbedingt dazu genutz werden sollte, dass man möglichst viele kontroversen zu einander auftürmt.

 

z.b. ich stelle mir dann irgendwie vor, was du meinst mit dem "wir orgasmus" und du kannst dir dann ja mal meine position verbildlichen.

 

auf alle fälle finde ich es wichtig, dass man immer davon aus geht, dass man selber falsch liegt und sich selber gegnüber kritisch bleibt.

 

die östlichen philosophien sind mit nicht so geläufig, ich kenne den buddhismus in den ansätzen, denke es ist vor allem eine sache der moral und der ethik.

 

man muss aber auch berücksichtigen, dass menschliche grundzüge wie wille, gier, hochmut usw. nicht unbedingt schlecht sind, sondern einfach ab und zu überschwappen.

 

noch zu dem punkt von k*..ich habe die frage nicht beantwortet. das mag sein, aber du erwartest von mir jetzt ja nicht ernsthaft ein schlüssiges urteil oder?

 

das problem ist ja gerade das, dass man nicht sagen kann, das ist absolut richtig und das absolut falsch...it's just the point of view...and a matter of doing this or this.

 

gruss,

t

Hallo loosebone

du schreibst:
"die östlichen philosophien sind mit nicht so geläufig, ich kenne den buddhismus in den ansätzen, denke es ist vor allem eine sache der moral und der ethik."
damit liegst du bzgl. des Buddhismus schon richtig.

YOGA aber, obwohl auch Moral und Ethik eine Rolle spielen, ist vor allem PRAXIS und ERFAHRUNG.
Ich könnte auch schreiben Yoga ist eine Wissenschaft. Mit nachvollziehbaren Experimenten und Ergebnissen.
Und das Experimentallabor ist dem entsprechend dein Geist und Körper.

Falls du dich mal schlau machen möchtest, empfehle ich dir 2 Bücher von Swami Sivananda Radha:

-- Praxis des Traum-Yoga
und
-- Kundalini-Yoga für den Alltag

Alles Gute
k*

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