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Ausübung in Demut vor jahrtausendalter spiritueller Tradition steht in Kontrast zum Erfolgs- und Gewinnstreben auf dem heutigen Yogamarkt.

Yoga hat den Westen erobert und sich zu einem blühenden Industriezweig mit ergiebigen Einnahmequellen entwickelt. Als spirituell Interessierte/r ist man geneigt sich zu fragen, ob das noch was mit Spiritualität zu tun hat.

Früher hing das Ansehen eines jeden Yogalehrers und jeder Yogalehrerin von dessen oder deren spirituellem Wissen ab. Und dieses wurde vor allem an der Tiefe der spirituellen (Erleuchtungs-) Erfahrungen gemessen. Vorbildfunktion hatte vor allem die Fähigkeit, sich von immer mehr äußerlichen Abhängigkeiten befreien zu können und immer mehr eins zu werden mit der ureigenen innewohnenden Essenz.

Heutzutage spielt es oft keine Rolle mehr, ob der Yogalehrer oder die Yogalehrerin dem/der man sich anvertraut spirituelle Erfahrung gemacht hat, die sein/ihr Bewusstsein transformiert haben. Oder ob er oder sie über viele Jahre hinweg praktiziert und sich in der Tiefe mit sich selbst auseinandergesetzt hat. Viel wichtiger ist es meist, wie hoch die Anzahl der Schüler/innen ist, wie viel Umsatz ein Studio monatlich verzeichnen kann, zu wie vielen Konferenzen man geladen wird und wie hoch die Verkaufszahlen der Bücher und der eigene Grad der Bekanntheit sind. Der Look und die Größe der Yogaschule hinterlassen mehr Eindruck als persönliches, yogisches Charisma.

Bescheidenheit und Demut, die yogischen Tugenden, haben offensichtlich an Bedeutung verloren. Es steht die Fähigkeit wie man sich am besten verkaufen kann im Vordergrund. Und im Zweifel kann auch da ein Coach oder eine PR-Agentur aushelfen. Beeindruckende Flyer, imposante Websites und CD- und Buchrückseiten strotzen vor Superlativen und künden den besten Yoga der Stadt, den ersten Power-Yogalehrer oder die erfolgreichsten Yogabuchautoren an. Yoga verliert, wenn es so praktiziert wird, seine Seele. Wann wird das endlich überall erkannt, damit Yoga wieder im ursprünglichen Sinne – also seiner Selbst wegen praktiziert werden kann.

Stimmt Ihr dem zu oder haltet Ihr diese Ansicht für übertrieben? Schließen yogische Spiritualität und Gewinnstreben sich aus?

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Die Profanisierung und die Einengung von Yoga bis auf eine Fittnessart oder eine Yogagymnastik war wegen seiner enorm schnellen Verbreitung in den westlichen Metropolen unvermeindar. Körperliche Aspekte und Effekte von Yogapraxis sind
das Einzige, was sich schnell für Millionen verkaufen lässt. Und die Yogaprofis sollen verkaufen. Wie werden Sie Pratyahara oder Dharana verkaufen und davon leben ? Der Begrif selbst ist aber auf diese Gymnastik überlaufen. Seltsam wie strak die sportlichen Yogaprofis selbst an den Sutras von Patandjali festhalten, der nur eine einzige Asana erwähnt. Alles was man heute im Westen als Yoga geerntet hat, hat man nach seinem eigenen Bedarf, nicht ohne Hilfe unserer Brüder vom post-kolonialen Osten erhalten. Was man wollte, erhielt er auch. Dabei war und ist der Yoga gleichmäßig in der ganzen Welt (vor dem eigenen Nase) schon immer präsent gewesen.
Ich sehe das nicht so eng. Ich bejahe die Vielfalt. Fitnessbetonender Yoga und einfache Entspannung sind für viele Menschen in der heutigen Zeit wichtig. Ohne Geld geht es im Westen nur schwer. Es ist unsere Aufgabe als fortgeschrittene Yogis auch die spirituellen Aspekte des Yoga den heutigen Menschen zu vermitteln. Deshalb schreibe ich meine vielen kostenlosen Internetbücher und Forenartikel. Meine Homepage wird jeden Monat von etwa 100 000 Leuten vor allem aus der Yoga-Szene besucht. Sie vertiefen dadurch ihr spirituelles Wissen. Es besteht also deutlich auch Interesse an tieferem Yogawissen. Yoga wird dann langfristig erfolgreich sein, wenn spirituell Wissende und gesundheitsorientierte Yogis positiv zusammenwirken.

http://sites.google.com/site/nilshorn2/home

ooooh!
ein fortgeschrittener yogi.
Yoga ist viele Jahrtausende alt. Yoga hat sich dabei ständig gewandelt. Das ist ja geradezu die Stärke des Yoga: Es ist flexibel und ändert sich immer weiter.
Die Essenz des Yoga bleibt dabei gleich. Es geht darum, den Menschen in Kontakt zu seinem Höchsten Wesen zu bringen, das Göttliche überall erfahren zu lassen. Es wird immer Menschen geben, die an den tieferen Aspekten des Yoga Interesse haben. Und sehr viel mehr Menschen, die mit Yoga Wohlbefinden, mehr Energie, Heilung verbinden - oder auch einfach Geldverdienst. Das ist nach meiner Meinung alles ok. Die alten Schriften bleiben bestehen. Die tief wirkenden Techniken sind für alle offen. Wer selbst eine tiefere Sehnsucht empfindet, wird dahin kommen.
Die Lagebewertung der Redaktion trifft leider absolut zu. Aber nicht nur die fehlende Spiritualität an modernem Yogaangebot ist das Problem. Das zu beanspruchen, wäre unter den neusten Bedingungen einfach naiv. Auch die reduzierte leibliche Praxis selbst wurde bei den knappen "Yogastunden" zu einem yogischen "fast food" heruntergeführt. Trotz allen Asanas in diesem Tempo, der musikalischen Begleitung, den Räucherstäbchen, und sogar 1-2oder3-maligem OM-singen entwickelt sich bei den meisten Kunden keinen neuen Raum für eine tiefgreifende Transformation. Er bleibt der alter. Oft steigt sein Ego hoch mit allen damit verbundenen Leiden.
Wie gesagt, "die alten Schriften bleiben bestehen (irgendwo verstaubt am Regal)" und die "tiefgreifenden Techniken
sind für alle offen " (Gott sei Dank gibt es in Europa noch solche Lehrer).... bloß den meisten Menschen wird "fast food" als Dienstleistung angeboten. Keiner kümmert sich um sein Umfeld - Beruf, Essgewohnheiten, Drogensucht, Sexualleben u.v.m. Erfüllung von Yama und Niyama scheint auch nicht mehr auf der Agenda zu sein. Es wird mit den Asanas begonnen ...und endet auch damit.
Ist nicht die Wertung, es gäbe besseres/schlechteres Yoga bzw. bessere/schlechtere dahinter stehende Intentionen ein nicht ganz so yogischer Gedanke, dem möglicherweise eine gute Portion (verletztes) Ego mitschwingt?

Ich halte es mit Sukadev: Yoga ist flexibel und bietet für jeden genau das, was er als Praktizierender in seinem jetzigen Stadium braucht. Tiefe Spiritualität und Erleuchtung als Endziel ist bestimmt erst einmal nicht jedem bestimmt.

Sich auf den Weg zu begeben, ist in unseren heutigen Welt aber sicherlich der erste und beste Schritt - egal welchen "Levels", welcher aktuellen Intention und gleich, wie lange der Weg letztlich sein wird.
Sehr schöne, weise Antwort!
Hallo Pascal, das sehe ich genauso. Ich war schon in vielen Yogakursen und es waren immer nur eine oder zwei Schüler, bei denen der spirituelle Funke übergesprungen ist. Jetzt mach ich auch gerade meine Yogalehrer-Ausbildung und einerseits schrecke ich noch ein bisschen zurück vor der Selbständigkeit. Eben wegen dem Kostendruck und den damit verbundenden Zugeständnissen an die Ansprüche der potenziellen Schüler. Eigentlich möchte ich nur, dass es ihnen nach der Stunde besser geht, als vorher. Und wenn einer oder vielleicht sogar zwei von Ihnen dann weiter gehen wollen auf dem Yoga-Weg und wissen wollen, was wirklich in ihnen steckt, dann wär ich schon sehr glücklich.

LG Claudia

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