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An einem schönen Samstagmorgen, während seine Freunde zu einer Radtour aufbrechen, schlendert der Autor Andrew Tilin durch die Ständer mit Yogakleidung und entrollt danach seine schwarze Yogamatte skeptisch neben der pinkfarbenen einer anderen Person, die mit bemalten Zehennägeln darauf sitzt.

Er vermutet, das seine testosterongeladenen Freunde gerade einen Sprint gegeneinander machen und er liegt hier und macht seltsame Geräusche zu den Bewegungen – und er scheint der einzige zu sein, der in dieser Yogaklasse überhaupt Geräusche von sich gibt. Das macht ihn befangen und stellt seine männliche Welt auf den Kopf.

Andrews Gedanken wandern zu den Männerdomänen der Gegenwart wie der Regierungsarbeit oder männlichen Sportarten und er stellt fest, dass Yoga in Amerika eine Frauendomäne sein muss, denn statistisch gesehen sind 77% der Yogis des Landes weiblich.

Den Grund dafür findet auch Yoga Lehrer Michael Lechonczak nicht, der gerne mehr männliche Teilnehmer in seiner Klasse hätte. Es gilt wohl, diesen Gründen auf die Spur zu kommen. An einem Mangel an Yogastudios kann es nicht liegen, denn die findet man an jeder Straßenecke und auch nicht an den lebendigen Zeugnissen aller Yogis, denn viele Frauen stehen in Yogahaltung und mit glücklichem Lächeln im Gesicht vor ihren Männern und können sie doch nicht motivieren.

Warum also machen nur wenige Männer Yoga mit der gleichen Überzeugung wie die praktizierenden Frauen. Auch Ärzte oder sportlich veranlagte Personen können sich dies nur mit wenig überzeugenden Begründungen erklären.

Zunächst scheint es so zu sein, dass echte Männer eben einfach kein Yoga machen, obwohl in Indien, dem Entstehungsgebiet des Yoga, Jahrhunderte lang Männer die Lehrer waren. In den 1940er Jahren wurde mit der Kosmektikmogulin Elizabeth Arden Yoga zu einer weiblichen Betätigung und somit als unmännlich klassifiziert.

Der nächste Repräsentant des Yoga, Richard Hittleman, ließ in seinen Yogabüchern die Posen von Frauen präsentieren und eine weitere Medienberühmtheit der 1970er Jahre ermutigte über das Fernsehen zu Hause hockende Mütter, sich die Zeit mit Yoga zu vertreiben. Und welcher Mann besitzt schon den Mut sich in einem Studio unter lauter Frauen zu mischen. Das hier ist nicht sein Territorium. Und Männer die hierher kommen, die benötigen eine weichere Schale als andere.

Hier geht es nicht darum sich zu behaupten und die Ellbogen einzusetzen. Die Posen sind für Männer oft schwieriger auszuführen, auch wenn diese eigentlich sehr sportlich sind. Ihre Muskulatur und die Sehnen sind nach dem Wachstum nicht mehr so dehnbar, wie bei Frauen. Das zuzugeben, ist Männern unangenehm, ebenso wie die Berührung einer fremden Frau bei Partnerübungen. Ebenfalls schwer fällt Männern die Nachahmung der Posen, weil sie weniger gut entwickelte Spiegelneuronen besitzen, die dafür verantwortlich sind. Deshalb brauchen Männer und Yogalehrer hier viel mehr Geduld, bis eine Übung gelingt.

Dabei nicht aufzugeben, Durchhaltevermögen zu zeigen und negative Emotionen auszuschalten, die Freiheit und Ruhe des Yoga zu genießen, all das sind Prozesse, die Männer nur schwer zulassen können. Wer jedoch die innere Barriere überwindet, der weiß am Ende, dass es sich gelohnt hat und man mit Yoga viel für seine Gesundheit und sein Wohlbefinden tun kann.

Und dann kann es so sein wie bei Betriebsleiter Bernstein, der lange gebraucht hat, bis ihm die Oms nicht mehr schwerfielen und der seiner Frau zuliebe mit dem Yoga begonnen hat. Er hat hier das Optimum für sich gefunden, während seine Frau schon seit sieben Jahren kein Yoga mehr praktiziert. Er erzählt Andrew Tilin, dass es vielleicht noch viele beispielhafte Männer braucht, damit auch seine Frau erkennt, was ihr hier entgeht.

Nach einem Artikel von Andrew Tilin bei yogajournal.com

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Antworten auf diese Diskussion

Gut beschrieben ... was machst du hier eigentlich (meine erste Yogastunde) ... zwei Tage später bei dem fetten Muskelkater wusste ich es dann ;-)

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