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Es gibt einige Ursprungstexte über den Lebenspfad der Yogis, die besagen, dass asketisches Leben und die Einhaltung des Zölibats unabdingbar für ein Leben mit Yoga sind.

Was aber kann man in unserer modernen Zeit damit heute noch anfangen? Können und müssen wir wirklich auf unsere Geschlechtlichkeit verzichten, wenn wir unseren Körper mit Yoga in Schwung halten wollen?

Im Jahr 1985 verzichtete der Yoga Praktiker Adrian Piper auf Sex und bekannte sich seitdem zur Praxis des Brahmacharya, die einem zölibatären Leben entspricht. So behauptete er auch noch 17 Jahre später, das größte geistige Geschenk seines Lebens gefunden zu haben, denn es erschlösse ihm eine andere Wahrnehmung seines Selbst und aller anderen Menschen.

Zuvor sei sein Ego nur durch Sexualität und die damit verbundenen Wünsche verknüpft gewesen. Ohne diese Sehnsüchte jedoch sei seine sadhana – die geistige Praxis – zu viel größerer Tiefe gelangt. Viele Religionen und Lebensformen preisen bis heute das zölibatäre Leben und wenden sich von sexuellen Praktiken gänzlich ab. Auch in der Tradition des Yoga ist Pfeifer hier kein Vorreiter gewesen, wenn wir an einen klassischen Yogi wie Patanjali und seine fünf Yamas denken oder die Moralprinzipien des Yoga Sutra (Kap.11, Vers 30) zugrunde legen.

Es gibt Texte, die weisen darauf hin, dass nur durch sexuelle Abstinenz der sicherste Weg beschritten werden kann unsere tiefsten Reserven von Macht und Lebenskraft zu erhöhen. Auch Mutter Teresa und Mahatma Gandhi machten die Enthaltsamkeit zumindest in einer Lebensphase zu einer wichtigen Voraussetzung. Gandhi klassifizierte ein Leben ohne den Zölibat näher an einem tierischen Dahinvegetieren als an menschlicher Existenz.

Heute unterscheidet sich unsere Welt jedoch grundlegend von den Zeiten, in denen solcherlei Thesen geprägt wurden. Die damaligen Yogis verzichteten ja nicht nur auf Sex sondern entsagten auch der Nahrung und anderen grundlegenden Bedürfnissen.

Heute aber rollen wir am Freitag unsere Yogamatte aus und leiten damit ein Wochenende ein, an dem wir guten Wein und herrliches Essen genießen wollen und vielleicht gehört auch die Erfüllung unserer sexuellen Wünsche dazu. Dies scheint den Moralprinzipien des Yoga zu widersprechen. Und doch kann uns Yoga aus heutiger Sicht sogar helfen unser brachliegendes Sexualleben zu verbessern.

Aber bedeutet das nicht, nur die Rosinen aus einer Lehre zu picken, die uns ansonsten mit ihren strengen Regeln an bestimmte Verhaltensweisen bindet, auf die wir lieber verzichten? Oder können wir einen Weg finden, mit unserer Sexualität bewusst umzugehen, wenn wir Yoga unser Leben bestimmen lassen.

Können wir die Lehre des Zölibates einfach unter unsere Yogamatte fegen und sie nicht mehr beachten? Stell die Frage nach einem Leben ohne Sex in einer amerikanischen Yogaklasse mit lauter Studenten und du wirst ungläubiges Lachen ernten. Noch immer kann es gelten, dass ein enthaltsames Leben von den irdischen Ablenkungen befreit und geistige Überlegenheit schenkt.

Auch leuchtet ein, dass ein sexuell bestimmtes Leben Gewalt, Promiskuität, Leiden, Wut und Enttäuschung in uns entstehen lässt. Wer also den Weg des zölibatären Daseins ohne Zwang und aus freien Stücken wählt und ihn konsequent geht, der wird eine hellere Lebensenergie und alle Vorzüge des Yoga daraus gewinnen können.

Will man sich aber ernsthaft zwingen, wird dies zu einem unmöglichen Unterfangen und zu großer Unzufriedenheit führen, die auch die Yoga Praktiken nicht aufwiegen werden.

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7. Absatz: "... wenn wir Yoga unser Leben bestimmen lassen. "


???
Ist euer Leben durch Yoga bestimmt? Ich möchte die Kraft erlangen, mein Leben selbst zu bestimmen und durch Yoga komme ich diesem Ziel von Zeit zu Zeit näher.

Wenn Yoga die Erfahrung ist, etwas, was man nicht lesen oder sich theoretisch aneignen kann, sondern rein der eigenen Erfahrung entspringt, dann habe ich es doch eindeutig in der Hand ob ich offen dazu bin, Erfahrungen zu machen. Es gehört sicherlich eine gewisse Disziplin dazu, jedoch ist mir schleierhaft, was die Autorin mit dem oben genannten Satz meint.

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