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Hallo zusammen!

 

Ich hatte gestern in meinen Yogastunden das Thema "Ehrgeiz".

 

In meinem Studio, in fast alle Stunden, sehe ich viel Ehrgeiz. Oft bei älteren Semestern und Menschen mit körperlichen Gebrechen, aber auch bei jüngeren.

Ehrgeiz ist für uns immer eine Tugend. Überall wird uns beigebracht, dass nur mit richtigen Ehrgeiz man an seine Ziele kommt. In unserer "Höher - Schneller - Weiter -WELT" ist das kein Wunder. In Stellenangeboten wird nach Ehrgeiz gefragt, in der Werbung hat jeder den Ehrgeiz schneller, besser und günstiger sein als der Andere und auch in Filmen (schönes Beispiel: Das Streben nach Glück) wird uns vorgelebt, dass man mit Ehrgeiz weit kommt.

 Mein Ansatz gestern war, dass Ehrgeiz im Yoga NICHTS zu suchen hat.

 

Ehrgeiz ist nämlich keine Tugend. Im Duden definiert sich zum Beispiel Ehrgeiz wie folgt:

"Unter Ehrgeiz versteht man die Gier nach Erfolg und das Streben nach Macht und Ruhm. Das Wort Ehrgeiz leitet sich aus dem althochdeutschen "gite" ab, was damals Gier hieß. 

 

Ich habe meinen Schülern erklärt, dass Ehrgeiz im Yoga nur zu Ungeduld und negativen Erlebnissen führt, da der Körper einen eh permanent ausbremst und wenn man seine Signale überhört es zu bösen Verletzungen kommen kann.

 

Hingehen DISZIPLIN, ACHTSAMKEIT und GELASSENHEIT in eine Yogastunde gehören und eben zu Erfolg führen. Vielleicht langsamer, aber gesünder!!

 

Wie seht ihr das?

 

Gruß

Annika

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Hallo Annika,

sehe ich ähnlich. Ehrgeiz im Sinne des Duden und vor allem Ungeduld sind im Yoga fehl am Platz und führen oft, wie Du schon gesagt hast zu Verletzungen bzw. dazu, die Asanas falsch durchzuführen.

Was ich hingegen schon gerne bei meinen Schülern sehe und fördere ist, die eigenen Grenzen zu verschieben, indem man seine Komfortzone in den Asanas verläßt, auch wenn es einem schwer fällt. All das natürlich im Rahmen der Möglichkeiten des Körpers. Oft sind es ja Ängste, Gewohnheiten, Faulheit oder falsche Atmung, die die Schüler daran hindern, tiefer in ein Asana zu gehen. Ich versuche, ihnen zu helfen, zu erkennen, daß sie oft mehr zu tun imstande sind, als sie selber denken. Aber das hat meiner Meinung nach mit Ehrgeiz nichts zu tun, sondern mit der Entdeckung der eigenen Möglichkeiten.

 

Viele Grüße

Andrea

Hallo Andrea,

 

ja, da hast Du vollkommen recht:-) Ist immer eine Gradwanderung............einerseits den Schülern lernen, dass sie achtsam üben sollen, aber andererseits eben auch ihre Grenzen testen müssen. Lässt sich eigentlich immer schön in der sitzenden Vorbeuge beibringen (mit der Atmung arbeiten etc.)............oder gerne mal im Pflug zu beobachten (Ist der Boden wirklich noch soooo weit weg????).

Und ja, Faulheit und Komfort-Zone ............sehr lustig:-)) Anfangs erlebe ich oft Schüler sie gleich sagen: Ne, dass mache ich nicht, ich hab´s mit der Schulter..............oder die Schilddrüse............oder  oder oder......statt es einfach mal zu probieren. Zum Glück habe ich das Vertrauen meiner Schüler, dass ich sehr wohl weis, was sie machen dürfen, können etc. und nur sehr wenige sind da "faul" :-)

Diesen krampfhaften Ehrgeiz erlebe ich eh vorwiegend bei älteren Menschen, die einfach nicht wahrhaben wollen, dass einiges nicht mehr, oder im Moment nicht geht, nur weil sie vor 30 Jahren das alles mal konnten.

Oder aber bei Personen, die sich gerne IMMER einen Platz ganz vorne bei mir suchen, ständig meinen Blickkontakt suchen, versuchen alles ganz korrekt und richtig zu machen und regelrecht nach Aufmerksamkeit und Lob "betteln".

Hach...............ich liebe meinen Job:-)) Yogalehrer zu sein macht sooooo viel Spaß und ich liebe es, täglich meine Schüler herauszufordern, zu fördern , natürlich auch mal zu loben und dann in happy faces zu blicken, wenn sie merken, ist doch alles gar nich so schwer:-)

Aber eben alles in Ruhe, mit Geduld, nicht mit übertriebenem Ehrgeiz und völlig entspannt. Gerne auch mal lustig, mit viel lachen und dem Spaß dabei, mit seinem Körper zu arbeiten.

Ich versuche ihnen einfach beizubringen, dass es im Yoga mal nicht darum geht, Ziele zu erfüllen und der Beste sein zu müssen............das erlebt man im Alltag oft genug.

Gruß

Annika

Hallo Annika,

ich glaube, dass es genau das ist, was einen guten Yogalehrer ausmacht: den richtigen Grad zwischen "Fordern" und "nicht Überfordern" zu finden. Da ist viel Fingerspitzengefühl gefragt.

 

Ich versuche, jedem immer eine den seinen Möglichkeiten angepasste Alternative bei der Ausführung der Übungen zu geben. Denn ich möchte jeden möglichst genau da abholen, wo er gerade steht - ganz individuell (sowohl mental aus auch körperlich).

 

Gebe da aber auch Verantwortung an meine Schüler ab, indem ich dazu auffordere, genau hinzuspüren, ob ich nun einen leichten Dehnungsschmerz verspüre oder ob es gerade übertriebener Ehrgeiz ist, der zu Überbeanspruchung führt und damit gefährlich ist. Und wenn Schüler zu letzterem tendieren, ist eher mentale Arbeit nötig, um das tief in den westlichen Samskaras verwurzelte Leistungsdenken wenigsten während der Yogastunden in den Urlaub zu schicken.

 

Liebe Grüße

Oliver 

ich liebe es, wenn mich ein/e Yogalehrer/in zum lachen bringt ! Weiter so :-)

Genau das war auch mal bei mir ganz am Anfang so. Bei den schnelleren Varianten des Yoga wie z.B. Power Yoga hat man gar keine Zeit die Asanas intensiv zu spüren. Ich hatte z.B eine Lehrerin die mich sozusagen gedrillt hatte. ,,wie das nennst du einen Krieger und was ist mit den Armen? Auch wenn die Schultern weh tun, halte die Arme hoch, man kann nur durch Mut und Ausdauer und Kraft etwas schaffen..."
Sowas und ähnliches bekam man in diesen Stunden zu hören. Ich hatte Yoga damals deshalb mit dem Wort Ehrgeiz verbunden... Denn in diesen Stunden war das Perfektsein wichtig. Erst später in einer Hatha-Yogastunde lernte ich Grenzen zu akzeptieren, weniger zu machen und alles gelassener zu sehen. Denn diese Lehrerin machte mich darauf aufmerksam, dass Ehrgeiz, Ungeduld und Schmerzen aushalten nichts im Yoga zu suchen hat.
Sie sagte mir damals und den Satz habe ich heute noch oft in Erinnerung ,,Deine Aufgabe im Yoga wird es wohl sein, nicht immer alles perfekt machen zu wollen, dich mehr zurück zu nehmen und achtsam im Umgang mit deinem Körper zu sein"
Für diesen Satz bin ich ihr sehr dankbar (auch wenn ich es damals als Kritik aufgefasst hatte und erst länger gebraucht habe um ihn zu verstehen, umzusetzen...)

Oh je, solche Drills kenne ich. Schade , dass es so gelaufen ist, aber zum Glück hast Du Yoga dann noch anders erlebt.

Viele würde dann vielleicht sogar aufhören und nach keiner Alternative mehr suchen, wenn sie so einen Lehrer mal erlebt haben.

Und das mit der Kritik verstehe ich ..............ich glaube es geht vielen so, weshalb ich immer sehr vorsichtig in meinen Formulierungen bin und sowas eher lustig und mit Witz sage, damit die Leute sich nicht auf den Schlips getreten fühlen. Es ist ja schon schwierig genug, wenn der Körper einem ständig zeigt, dass er manches nicht (noch nicht) kann. In einer Stunde ständig zu merken, wie eingerostet und faul man vielleicht war und statt mit der Tüte Chips auf der Couch lieber mal regelmäßig ins Yoga gegangen wäre, ist ein Spiegelbild, dass sich viele nur ungern vorhalten. Wir wollen ja alle immer "gut" in dem sein, was uns Spaß macht und Yoga hat diese fiese Gemeinheit, dass es sich sofort bemerkbar macht, wenn man mal nicht so regelmäßig trainiert hat:-) Zumindest gings mir oft so.

Hallo Annika,

Ehrgeiz hat ja auch etwas mit sich vergleichen zu tun, sich zu messen mit anderen, "besser" zu sein als andere. Das hat definitiv im Yoga nichts zu suchen, da nur der eigene Körper bzw. der eigene geistige Zustand die Messlatte sein können bzw. sollen. Ich beobachte viele Anfänger in meinen Kursen, die sich immer wieder die Köpfe zu anderen Schülern verrenken, um zu schauen, ob die vielleicht "besser" sind. Daher erkläre ich immer gleich am Anfang, dass ein solches Leistungsdenken im Yoga nichts zu suchen hat (auch wenn es mittlerweile sogar Asana-Wettbewerbe gibt, aber das ist wieder ein anderes Thema). Nur auf sich zu hören, bei sich zu bleiben, achtsam zu üben kann für die Schüler auch einen unglaubliche Entlastung sein, da sie eben auf der Matte einen Schritt aus unserer Leistungsgesellschaft heraustreten können. An die eigenen Grenzen zu gehen ist natürlich auch so ein Thema, aber ich ermutige die Schüler, das auch einmal zuzulassen und erkläre ihnen, dass dieses aus der Komfort-Zone gehen auch etwas für ihr alltägliches Leben bringt, nämlich, sich selbst mehr zuzutrauen und Ängste zu überwinden.

Ich sage meinen Schülern, dass sie versuchen sollen, ihr "Bestes" zu geben, in dem Sinn, dass das Beste das ist, wozu sie in diesem Moment in der Lage sind, körperlich wie geistig. Aber auch, dass die Einteilung in Gut oder Schlecht im Yoga so nicht gibt.

Viele Grüße,

Cara

Am Anfang hatte ich auch den Ehrgeiz (Iyengar Yoga) immer alles Perfekt zu machen. Bin auch Zeitweise weiter gegangen als gut ist. Mittlerweile habe ich begriffen das jeder Leistungsgedanke beim Yoga völlig unsinnig ist. Ich trickse mich da ein bisschen selber aus und lenke meinen "Ehrgeiz" in Richtung Kontinuität. Jeden Tag ein bisschen und wenn es nur 5 Minuten sind …. Baum beim Zähne putzen … "Büroyoga" während einer Ruhigen Minute auf Arbeit ect. … Ideen habe ich da ohne Ende …

 

Schliesslich will ich mit 120 Jahren noch fit wie ein Turnschuh durch das Leben schreiten … man male sich auch mal die Psychische Entwicklung aus, (bin jetzt 50 Jahre) habe vor kurzem mit Pranayama angefangen … :-)

 

Ehrgeiz? Wozu? Haben wir nicht alle Zeit der Welt?

 

Ich finde es aber schon wichtig das Lehrer ihren Schülern sagen das hier Leistung unwichtig ist!

 

Hallo Annika und ihr anderen,

 

ich habe über dieses Thema schon viel nachgedacht. Zumal man auch viele erfahrene Yogis sieht die mit sehr viel Ehrgeiz und Eifer an das Üben gehen. Manchmal habe ich das Gefühl sie strengen sich so an das sie gen Himmel rufen: "Schau her Gott wie toll ich übe! Bitte komme über mich!" oder so...

Dabei bin ich der Meinung, dass der Spirituelle Weg aus verschiedenen Dingen besteht, die sich auch im Praktizieren äussern sollten:

Krishna sagt in der Bhagavad Gita, VI.35 sinngemäss:

"Der Geist ist ruhelos und schwer zu beherrschen, aber durch Abhyasa und Vairagya kann er bezähmt werden."

Abhyasa: Beharrlichkeit, Übung, Anstrengung, Disziplin

Vayragya: Leidenschaftslosigkeit, Nicht-Identifikation, Losgelöstheit.

Und so sagt es auch Patanjali I.11 ...

Es braucht demnach nicht nur den Ehrgeiz, den Willen, die Anstrengung, sondern, auch und vor allem die Lockerheit, das entspannte unbeteiligte beobachten, das loslassen. Und so stellen die Yogis meist Abhyasa in den Vordergrungd, vergessen dabei aber Vairagya.

Durch Abhyasa allein wird der Geist eng und man droht dogmatisch und begrenzt zu werden.

Durch Vairagya allein wird man Lasch und träge.

Es braucht wie ich meine eine gesunde Balance aus beiden um wirklich weiter zu kommen.

Auch Ken Wilber spricht in seinen Büchern von "Sein und Werden", also man muss sowohl das bedingungslose Verweilen im Hier und Jetzt, als auch das Streben nach Transformation pflegen.

Yoga ist auch loslassen, locker bleiben, beobachten, fühlen, sein, ankommen, wahrnehmen....

 

Sei lieb zu dir....

Das trifft es doch auf den Punkt: auf den gesunden Mittelweg kommt es an (wie überall).

Vielen Dank für den Beitrag, Machshell.de :-)

Liebe Grüße

Andrea

schließe mich da ganz an marcel, gut auf den punkt gebracht. danke!

liebe grüße

oliver

Hi Machshell,


das hast Du sehr schön formuliert,

Danke.

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