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Im Einklang mit dem eigenen Rhythmus und Bauchgefühl: Yoga für Schwangere

Mit dem positiven Ergebnis eines Schwangerschaftstests beginnt auf jeden Fall ein neuer Abschnitt im Leben einer Frau. Ein feiner Strich in einem kleinen Fenster – und plötzlich scheint es so, als würde die ganze Welt für einen Moment stillstehen. Frau ahnt: Vieles wird sich ändern. Leichter wird es kaum. Nicht jede werdende Mutter schwebt sofort auf Wolke 7, trotzdem ist es für die meisten schon ein bisschen so, als würde der Himmel aufgehen.
Ein Kind zur Welt zu bringen ist eine Einladung am Schöpfungsprozess teilzuhaben. Was gibt es Wesentlicheres?

Mit der Empfängnis beginnt aber auch bereits die Verantwortung für das neue Leben. Im ersten Schwangerschaftstrimester werden bereits die Weichen für später gestellt. Dies ist die Zeit, in der das Nest gebaut wird. Die ersten drei Monate sind nicht so ganz ohne. Viele schwangere Frauen warten deshalb auch erstmal ab, bevor sie die freudige Neuigkeit an die große Glocke hängen.

Überraschend ist allerdings, dass ein Großteil werdender Mütter – besonders die körperlich aktiven – ihr reguläres Yoga- oder Fitness-Programm häufig einfach erstmal so weiter machen wie bisher. Gut, schwanger zu sein ist keine Krankheit und auch an dem Spruch: „Was sitzt, das sitzt“ könnte etwas Wahres dran sein. Dabei sollte aber auch beachtet werden, dass besonders in der Frühschwangerschaft gravierende Veränderungen im mütterlichen Organismus stattfinden.
So wird z.B. der Sauerstoffbedarf erhöht, die Herzfrequenz gesteigert und der Blutdruck wird labil. Außerdem kommt es zu einer Zunahme der venösen Kapazität, sowie zu einer hormonell bedingten Auflockerung der Sehnen, Bänder und Gelenke. Dass die vielen Veränderungen auch die Psyche beeinflussen, erklärt sich von selbst.

Eine Schwangerschaft stellt also eine physiologische und auch seelische Ausnahmesituation im Leben einer Frau dar. Das Yoga-Programm sollte dementsprechend auf die besonderen Bedürfnisse schwangerer Frauen ausgerichtet sein und dies gleich von Anfang an.

Viele der herkömmlichen Yoga- und Atemübungen sind für werdende Mütter nicht geeignet. Insgesamt lässt sich sagen, dass ein zu herausforderndes Yoga-Programm unnötigen Stress für Mutter und Kind bedeutet. Dies ist ein ganz wesentlicher Aspekt, denn selbst wenn die werdende Mutter meint, ihr reguläres Yoga-Programm aufrecht erhalten zu müssen, so hat sie doch auch eine Verantwortung ihrem Baby gegenüber.

In einer Studie der Berliner Universitätsklinik Charité haben Forscher einen deutlichen Zusammenhang zwischen Stress in der Schwangerschaft und Fehlgeburten gefunden. Danach haben werdende Mütter, die größeren Belastungen ausgesetzt sind, möglicherweise geringere Mengen des Hormons Progesteron im Blut – ein Stoff, der auch das Immunsystem der Mutter darin unterstützt, die körperfremden Zellen von Baby und Plazenta zu tolerieren. Auch das Ergebnis einer aktuellen dänischen Studie belegt, dass zu viel körperliche Betätigung in der Frühschwangerschaft ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko darstellt.

Wie viel aber ist zu viel? Zuerst sollte man vielleicht nach den Beweggründen der werdenden Mütter fragen. Warum halten Schwangere häufig an ihrem alten Yoga-Programm fest?

Nicht jede Schwangere weiß, dass in einer regulären Yogaklasse nicht gezielt genug auf ihre Bedürfnisse eingegangen werden kann. Es ist nicht zu erwarten, dass jeder Yogalehrer genau weiß, welche Übungen schwangerschaftstauglich sind und welche unbedingt modifiziert oder sogar ganz weggelassen werden sollten.

Hin und wieder ist es auch eine Frage des Vertrauens. Nicht jeder Frau fällt es leicht, auf den Yoga-Lehrer zuzugehen, um mit ihm über ein so persönliches Ereignis wie die Schwangerschaft zu sprechen. Es kann auch sein, dass es einfach eine Weile braucht, bis die werdende Mutter wirklich einen Bezug zu ihrer Schwangerschaft aufgebaut hat. In diesem Falle wirkt es meist beruhigend, trotz der großen Neuigkeit erstmal genauso weitermachen zu können wie bisher.

Besonders ehrgeizige Frauen setzen sich selbst in der Zeit der Schwangerschaft gerne einem gewaltigen Leistungsdruck aus. Auf einmal geht es dann weniger um das Wohlbefinden von Mutter und Kind, sondern vielmehr darum, in der Lage zu sein, kräftemäßig weiter mithalten zu können. Ein weiterer Grund ist möglicherweise, dass die Frau sich Sorgen macht, in der Schwangerschaft übermäßig zuzunehmen und deshalb an einem möglichst anstrengenden Programm festhält.

Was auch immer die Gründe der einzelnen Frau sein mögen, letztendlich ist und bleibt es allein ihre Entscheidung, in welchem Maße sie sich während der Schwangerschaft körperlich betätigen möchte. Viel zu oft werden zukünftige oder frisch gebackene Mütter mit gut gemeinten Ratschlägen regelrecht erschlagen. Da ist es kein Wunder, dass eine moderne, selbstbestimmte Frau sich nicht in alte festgefahrene Bahnen drängen lassen will.

Ehrlich gesagt haftet dem herkömmlichen Schwangerschafts-yogakurs auch heute manchmal noch so etwas wie ein Makel an. Natürlich gibt es tatsächlich Yogakurse für werdende Mütter, in denen eher ein verschlafenes, langweiliges Gymnastikprogramm aufgefahren wird. Es geht aber mittlerweile auch ganz anders. Genauso wie Yoga sich im Allgemeinen den Bedürfnissen der Menschen von heute angepasst hat, so hat sich auch der Prä- und Postnatale Yoga weiterentwickelt. Gut ausgebildete Pränatal-Yoga-Lehrer wissen, dass gesunde Schwangere sehr wohl auch gefordert werden können, aber eben durch spezielle Übungen, die den Bedürfnissen der werdenden Mütter gerecht werden und dabei dem Baby niemals schaden...

Den vollständigen Artikel und einen Workshop mit Fotos findet ihr hier.

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Ich bin YogaLehrerin mit Spezialisierung auf YOGA in der Schwangerschaft und kann diesem Artikel nur zustimmen. Es gibt einige Dinge, auf die man in der YOGA Praxis mit Schwangeren achten sollte. Die Prenatal-Kurse sind deshalb nicht weniger anstrengen, auch wenn wir einen besonderen Focus auf die Entspannung legen. Für einige Übungen gibt es einfach schwangerschaftsgerechte Abwandlungen, die Mutter und Kind schützen. Die meisten Yogalehrer für Prenatalyoga bringen zudem viel Wissen mit in die Stunde, da wir uns immer wieder mit Hebammen, Ärzten und vor allem den Schwangeren austauschen.

Eine aktuelle Studie zu den Auswirkungen von YOGA während der Schwangerschaft wurde von Wissenschaftlern am Cincinnati Children’s Hospital Medical Center in Zusammenarbeit mit der YOGA Research Foundation in Bangalore, Indien durchgeführt. Mehr dazu könnt ihr in meinem Blog lesen http://blog.samanayoga.de/2010/09/yoga-wahrend-der-schwangerschaft-....

Auf meiner Website www.samanayoga.de können sich interessierte Frauen über die Inhalte einer PrenatalYOGA-Stunde informieren. Hier findet ihr auch interessante Buchtipps zum Thema.

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