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Guten Morgen,

ich habe das Gefühl, dass es hohe Erwartungen an Yogalehrer gibt - vor allem was deren eigene Gesundheit (im physischen, psychischen und spirituellen Sinn) betrifft. Nun ist es so, dass ich seit meiner Jugend mit wiederkehrenden Depressionen zu kämpfen habe und aktuell meinen Weg aus einem schweren Tief heraus suche. Gleichzeitig beende ich in Kürze meine Yogalehrer-Ausbildung. Ich habe aber gerade große innere Zweifel, ob ich mich wirklich als Yogalehrerin bezeichnen soll und kann, solange ich selbst noch mit einer so schwerwiegenden Erkrankung kämpfe. Ich merke, dass ich mich - gerade in der Gemeinschaft mit anderen Lehreren und Praktizierenden - fast ein wenig schäme. So als dürfte ich als gute Yogalehrerin so ein Problem nicht haben....

Gleichzeitig merke ich immer wieder, dass mir das Unterrichten sehr gut tut und ich glaube schon, dass ich so einem Moment ganz bei meinen Schülern sein kann und über viel Einfühlungsvermögen verfüge.

Wie seht ihr das?

Mae

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Grundsätzlich darf ein Yogalehrer alles haben. Wir sind nicht unverwundbar.

Solange es nicht zum Nachteil der Schüler ist, darfst du natürlich auch unterrichten, wenn du schlechte Phasen hast und nicht gut drauf bist. Wenn es dir gut tut und du Kraft aus dem Unterrichten ziehen kannst, hat dies ja sogar eine heilsame Wirkung auf dich.

Du darfst nur nicht vergessen, dass die Teilnehmer zu dir kommen, weil sie durch dich und deinen Unterricht selbst Ruhe und Kraft suchen. Gib ihnen also deine eigenen Sorgen nicht mit nach Haus, sondern sei umgekehrt für ihre da. 

Wenn du spürst, dass dir das zuviel ist, lege lieber eine Unterrichtspause ein. Wenn es dir jedoch gut tut, umso besser! :-) 

Liebe Meike,

danke für deine Antwort und deinen Zuspruch.

Ich möchte natürlich nie meine Sorgen in den Unterricht tragen oder gar meine Schüler damit belasten. Im Unterricht möchte ich voll für sie da sein und ihnen all meine Aufmerksamkeit schenken. Ich profitiere indirekt, weil mir das Unterrichten einfach sehr gut tut.

GLG

Mae

Dann ist doch alles gut. Yoga darf und soll allen helfen, den Nehmenden (Schüler) und den Gebenden (Lehrer). Dafür ist es doch da!

Wenn dir das Unterrichten so gut tut, dann unterrichte! Ich finde es großartig, dass du trotz dieser schweren Phase die Kraft dafür findest. Das ist etwas, worauf du sehr stolz sein kannst und dich keineswegs schämen musst! Ich bin sicher, jeder Lehrer trägt ein Päckchen mit sich rum, vielleicht nur nicht für andere sichtbar. ;-)

Vielen Dank. Ich freu mich über deine aufbauenden Worte sehr. :)

Vielen Dank für diese schöne, mutmachende Antwort. Sie berührt und freut mich sehr.

Bei mir zu bleiben - ja, das ist das Ziel.

GLG

Mae

Ja, bleibe bei dir, das ist es.

Mir hat es viel gebracht alles spirituelle Abzuladen und dem Leben in´s Auge zu blicken.

Emotionen zeigen.

lg

Herbert

Liebe Mae,

um Deine Frage in der Überschrift zu beantworten: Ja, sie darf.

Unsere Geselllschaft stellt an Alle unrealistisch hohe Erwartungen - die kann kaum einer erfüllen, ob nun Yogalehrer oder einfach nur Mitmensch.

Deine Erfahrungen mit Deiner Erkrankung sind doch auch ein großer Schatz für Dich und auch für Deine Schüler. Du hast seit Deiner Jugend mit wiederkehrenden Depressionen zu kämpfen. Das heißt doch aber auch: Du kennst den Weg aus der Depression in das Leben zurück, Du bist ihn offenbar schon mehrfach gegangen. Also, ich hätte lieber eine Yogalehrerin, die solche Lebenserfahrung hat als jemanden, der noch nie mit ernsthaften Schwierigkeiten im Leben zu kämpfen hatte.

Ich glaube, dass Du - völlig unabhängig von einer Depression - eine großartige Yogalehrerin sein kannst. Yoga schützt nicht davor, Depressionen zu haben. Er macht den Weg zurück in das Leben eventuell etwas leichter. Yoga schützt nicht vor den Unwägbarkeiten dieses Lebens. Er lässt uns nur besser mit ihnen umgehen. Das Schamgefühl, das Du angesichts Deiner Erkrankung empfindest, rührt vielleicht daher, dass in unserer Gesellschaft psychische Erkrankungen immer noch stigmatisiert sind. Brächest Du Dir hinunwieder den Arm, würdest Du Dich nicht schämen und Dir Vorwürfe machen, dass Du den Yoga nicht "ausreichend" oder nicht "richtig" praktiziertest. Du hättest Dir einfach den Arm gebrochen. Punkt. Ich würde mir wünschen, dass unsere Gesellschaft genauso mit psychischen Erkrankungen umginge. Ich bin mir außerdem sicher, dass die Anderen auch ihr Bündel zu schleppen haben, auch wenn man es nicht sofort sieht. Wenn Dir Unterrichten gut tut, dann bin ich davon überzeugt, dass das damit zusammenhängt, dass Du und Deine Schüler gemeinsam von Eurem Zusammensein profitiert, ich kann mir nicht vorstellen, dass nur Dir das Unterrichten gut tut, während Deine Schüler nicht von Dir genauso profitieren.  

Ich wünsche Dir alles Gute.

Nana

 

 

Liebe Nana,

aufrichtigen Dank für deine Antwort! Deine lieben Worte motivieren mich, meinen Weg als Yogalehrerin weiterzugehen, mich nicht zu schämen oder an mir zu zweifeln, sondern meine Erfahrungen mit Depressionen & Ängsten positiv zu nutzen (z.B. um anderen zu helfen, die in einer ähnlichen Situation sind). 

Am Wochenende habe ich meine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und freue mich, dass dieser Herzenswunsch nun Wirklichkeit geworden ist. Und ich bin ein bisschen stolz, dass ich das trotz sehr sehr schwieriger und dunkler Zeiten in den letzten Monaten geschafft habe.

Auch dir alles Gute, liebe Nana!

Herzliche Grüße,

Mae

Selbstverständlich darfst und solltest du als Yogalehrerin Praktizieren ... du solltest meiner Meinung nach aber besonders Achtsam mit dir selber umgehen!

 

Lies dir mal das Posting durch: http://www.yogapad.de/xn/detail/2015507%3ATopic%3A269736, wenn man dir die Ohren vollheult und du denn in einer Depri Phase steckst könnte dich das richtig runter ziehen.

 

Das setzt allerdings vorraus, das du Grenzen ziehst, damit du die Sachen die dich runter ziehen könnten, nicht an dich herankommen lässt.

Hallo Micky,

ja, ich bin sicher auch jemand wie ShivaDiva - bei mir heulen sich Menschen gerne aus und glauben, ich hätte alles ganz toll im Griff. Und auch mir fällt es oft schwer, mich da entsprechend abzugrenzen, damit es mich nicht belastet und die Leute merken, dass meine "Mülleimer-Funktion" ihre Grenzen hat. Du hast sicher recht, dass so etwas in einer Phase der Depression nicht sehr förderlich ist... Aber das ist sowieso eine anstehende Lernaufgabe für mich - im Yogaunterricht genauso wie im Leben. Ich bin mir dessen sehr bewusst und hoffe, es gelingt mir immer mehr, da auf mich gut aufzupassen.

Mae

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