yogapad.de | Dein Forum für Yoga, Meditation, Ayurveda und mehr

Hari Om,

 

im Internet stoße ich immer wieder auf die Anzeigen von Yoga Vidya, dass Mitarbeiter für ihren Ashram in Bad Meinberg, Westerwald oder Nordsee gesucht werden. Ich habe in Indien für mein TTC im Ashram gelebt, das war schon was ganz Besonderes. Bei Yoga Vidya war ich bisher noch nie - daher würde ich mich freuen, wenn ihr mir eure Erfahrungen mitteilen könntet! Positives, Kritik,...

Im Internet konnte ich recht wenige Erfahrungsberichte finden und da war auch alles dabei von absoluter Begeisterung bis zu Leuten, die von Ausbeutung der Mitarbeiter und Burn Out berichtet haben...

 

Viele liebe Grüße,

 

Cara

DIESER BEITRAG WURDE BISLANG 11919x ANGESCHAUT

Hierauf antworten

Antworten auf diese Diskussion

Danke :-)
Eine Freundin von mir hat früher in einer Filiale einer amerikanischen Firma gearbeitet. Der Chef der Filiale wollte den besten Vertriebsmann kündigen. Selbst hat er viel vermasselt und hat Kunden vergrault. Die Sache hat sich hochgeschaukelt, bis eine Delegation aus den Staaten rüberkam, um sich darum zu kümmern. Jeder Mitarbeiter wurde einzeln angehört. Das Ergebnis war, dass der Chef gekündigt wurde und der Vertriebsmann geblieben ist!

Das ist ein Beispiel für gutes Management.

Das würde ich auch gerne sehen! Geh doch einfach von der Situation aus, wie du sie zuletzt gekannt hast, würde ich vorschlagen!

Wow, soooo viele neue Antworten! Aufgrund meiner Abschlussarbeit war ich lange nicht im Forum. Nun ist sie endlich fertig und ich muss mich neu orientieren, da man als Geisteswissenschaftler ja nicht an jeder Ecke eine Stelle findet. Ich werde mir eure Anworten in Ruhe durchlesen, ein paar habe ich schon überflogen... Danke :-)

 

Ich hatte versucht in Bad Meinberg die Yogalehrer-Ausbildung zu machen. Die erste Woche habe ich mit Mühe und Not überstanden, in der 2. Woche bin ich nach wenigen Stunden abgereist.

Ich kann bis heute noch nicht klar sagen warum.

Ich bin absolut kein labiler Mensch und bin gern allein unterwegs. Mir ist Karma-Dienst völlig egal, ich kann prima auf Kaffee verzichten (auch wenn so´n Latte in der Sonne mal hilfreich gewesen wäre), bin eh Vegetarier (fand das Essen dort aber fuchtbar), und sauge den Unterricht förmlich auf, weil ich so viel wie möglich lernen will. Ich bin gerne in einer Gemeinschaft (Internatskind und daher von Kindesbeinen darauf getrimmt) und bin sicherlich nicht "spirituell noch nicht so weit" , wie mir gerne vorgeworfen wird, wenn ich Yoga Vidya kritisiere.

Auch waren alle Lehrer und Mitarbeiter sehr nett, mein Einzelzimmer sauber und völlig okay, und man war sehr verständnisvoll und hilfsbereit, als ich so überstürzt sofort weg wollte.

In der ersten Woche kam ich mir vor wie 10, weil ich heulend zu Hause anrief und nur noch nach Hause wollte. Ich hab das erstmal als "Grenzerfahrung" verbucht und das auf die Eingewöhnung geschoben. Obwohl ich ja eigentlich weder mit dem Programm, noch mit den Vorschriften etc. zu kämpfen hatte. Ich fühlte mich einfach nur unwohl und völlig fehl am Platz. Als ich zur zweiten Woche anreisen wollte, gab es Streik bei der Bahn und ich kam nie in Bad Meinberg an. Bin in Kassel gestrandet, habe dort angerufen und mitgeteilt ich müsse verschieben und bin wieder heim nach Stuttgart.

Jeder hätte sich aufgeregt, umsonst einen Tag im Zug zu sitzen  - > ich war einfach nur froh. Beim zweiten Anlauf die 2. Woche zu machen, kam ich zwar in Bad Meinberg an, ging zum Abendessen, dann zum Satsang, dann in die ersten Unterrichtsstunde und ma nächsten morgen wachte ich auf und dachte mir : Ich muss hier weg und zwar SOFORT!

Zugticket gebucht und ab ging´s heim!

Im Nachhinein kann ich zwar immer noch nicht sagen, was genau der der Grund war , aber ich fühle mich mit der Entscheidung wohl und möchte da nicht mehr hin. Es gab zu viele Dinge, die mich erschreckt haben:

Abends im Satsang hatte ich am meisten das Gefühl, dass das nicht meine Welt ist. Versteht mich nicht falsch, mein Motto ist : Lieber barfuß in Goa , als mit ´nem Benz zur Arbeit :-)

Aber dort hätte ich mir immer gerne gewünscht, dass das Ganze ärztlich/therapeutisch begleitet wird. Manche hätten eher eine Therapie nötig, als eine spirituelle Gemeinschaft /oder Yoga-Lehrer Ausbildung. Yoga kann viel, aber ist kein Ersatz bei psychischen, ernsthaften Schwierigkeiten!!!!!

Manches fand ich dort echt cool und überraschend (zum Beispiel das viele Mitarbeiter Hunde haben), einiges fand ich befremdlich (wenn sich kleine Kinder darüber unterhalten, wann sie in welcher Zeremonie Räucherstäbchen anzünden müssen usw).

Oft wusste ich nie, sind diese Menschen dort wirklich freundlich/glücklich, oder weltfremd/verblendet. Das klingt sicherlich böser, als gemeint, aber ich fühlte mich dort nicht wohl. Das Ganze hatte was von krampfhafter Scheinwelt, überschwänglicher Sinnsuche, gespielte Spiritualität, Flucht aus der realen Welt.............

Ein Beispiel hatte ich hier schon mal aufgeführt: Wenn ich zu Hause etwas esse und es bekommt mir nicht gut, dann sage ich klar, dass das Essen nix für mich ist oder nicht schmeckt etc. In der Ausbildung aber, haben ALLE, trotz Blähungen und Durchfall (was oft nicht zu überhören und riechen war) davon geschwärmt, wie toll das Essen doch ist. Anfangs hat sich niemand getraut, mal etwas GEGEN das Ganze zu sagen. Immer schön mit der Gemeinschaft mitschwimmen, möglichst wissbegierig und lernbereit sein und nur heimlich heulen. Erst ganz am Schluss der ersten Woche gab es mal zwei Schülerinnen, die genau das sagten, wie´s mir ging, sich endlich mal öffneten und anfingen sich normal miteinander zu unterhalten, statt ständig dieses friedvolle Geblubbere von sich zu geben.

Mir ging dieses Dauergelächle, super freundliche, total kuschelige Gemeinschaftsdings so auf´n Keks, weil es nicht echt für mich war.

Was ist denn der Sinn eines Ashrams? Spirituelles wachsen, lernen etc. ...............alles okay!!! Aber eine Scheinwelt kreieren, in der sich Menschen gerne flüchten, die im wahren Leben nicht klarkommen, halte ich schlicht für gefährlich! Faierweise muss ich sagen, dass ich in mehreren Ausbildungen ein bestimmtes Profil an Menschen getroffen habe und es nicht nur bei Yoga-Vidya so ist. Dort ist es nur stark aufgefallen, weil bei einer Gruppe von 70 Menschen, mehr als 20 bei der Vorstellung von "Lebenskrise", Sinnkrise", "persönlichen Problemen" etc. sprachen.

Klar kann Yoga helfen und sicher ist für viele Yoga unglaublich hilfreich gewesen, vieles im Leben durchzustehen. Aber muss man in eine solche Ausbildung gehen, wenn man 6 Wochen vorher (!!!!!!) erst aus der psychiatrischen Anstalt entlassen wurde????? Manchmal würde ich mir wünschen, dass man bei Ausbildungen als Voraussetzung nicht nur Praxiserfahrung etc. mitbringen muss, sondern ärztlich die Teilnahme daran als unbedenklich bescheinigen muss.

Und in Bad Meinberg hatte ich einfach das Gefühl, dass dort sehr viele sich Dinge schön reden, die gar nicht so sind und sich da in etwas flüchten, was mit der Realität so gar nichts zu tun hat.

Aber: es gab auch tolle Leute die man dort treffen konnte. Zum Beispiel Janin Devi  - > eine wahnsinns Sängerin. Einen echt coolen, netten, ganz auf "den Teppich gebliebenen Lehrer" , der leider dort gegangen ist (Warum nur ???), die Leute im Shop fand ich auch immer sehr cool..........wahrscheinlich weil sie eher was von  "bekifften Surfern" hatten und echt sauwitzig und nett waren..........(Sorry, für das bekifft.............wenn ihr das liest, aber das hatte mehr was von cooler Hippie-Kultur, als von verkniffener Heiligkeit).

So, jetzt werde ich bestimmt gleich wieder belehrt, dass ich einfach spirituell noch nicht weit genug entwickelt bin um das schätzen zu wissen, oder was auch immer, aber das ist mir ziemlich schnuppe. Ich äußere hier nur meinen persönlich Eindruck  - > für andere möge es dort wie im Himmelreich sein. Es muss sich jeder selbst ein Bild davon machen.

Arbeiten würde ich dort nicht wollen..................allein schon, weil Sicherheitsbestimmungen und Hygiene dort wohl nicht so groß geschrieben ist. So bin ich morgens um 5 Uhr, mit Filz-Hausschlappen, ganz allein (also ohne Personal, sondern nur Mitschülern) in der Großküche zum Teedienst angetreten und habe dort mit  seeeehhhr großen, schweren Töpfen und kochend heißem Wasser hantiert, ohne vorher eine vernünftige Einweisung bekommen zu haben, geschweige denn bestimmte Kleidung (Kopftuch oder so wegen Haare etc). Fand ich sehr gefährlich...............aber ist ja für die Gemeinschaft:-))

Gruß

Annika

Liebe Annika,

das ist ja spannend - eine ähnliche Erfahrung habe ich im Haus Westerwald vor ca. 10 Jahren gemacht. Damals habe ich einen einwöchigen Kurs gebucht, der mich vom Thema her wirklich interessierte. Schon am ersten Tag hat mich dort so ein unangenehmes, beklemmendes Gefühl beschlichen, dass ich weder mit dem Leiter des Kurses, noch den Teilnehmern, noch den anderen Leuten dort in Zusammenhang bringen konnte. Ich kann es im Nachhinein nur beschreiben als "etwas stimmt nicht, etwas ist beklemmend". Am Abend des zweiten Tages habe ich damals für mich entschieden, am nächsten Tag abzureisen. Ich habe relativ viel Erfahrung mit Yoga- und Meditationskursen, auch mit Ashramaufenthalten und glaube ich nicht, dass es einfach dieses Setting war. Ohne es mir jetzt im Nachhinein erklären zu können oder zu müssen freut es mich, dass diese Erfahrung von noch jemandem geteilt wird.

Hari Om, Andreas

Nach Westerwald würde ich z. B. nie fahren, weil sich das Haus in einer engen Schlucht befindet, die Luftfeuchtigkeit soll sehr hoch sein. An so einem Ort kann man sich aus meiner  Sicht nur eingeengt fühlen, ob spirituell oder nicht. Ist für mich eine Frage des Klimas und der Landschaft in diesem Fall.

Ich will mich jetzt mal erst zum Essen äußern, ich war ja schon oft dort und hab in dieser Hinsicht "experimentiert". In der Tat fand ich das Essen immer sehr lecker! OK, manchmal hat mir das eine oder andere Gericht nicht 100%ig zugesagt, so in vielleicht 10% der Fälle (Ich bin übrigens Veganer). Ich hatte aber auch oft extreme Blähungen und wusste nicht wieso, hab es dann aber herausbekommen: Ich hab zu viele unterschiedliche Sachen durcheinander gegessen, wollte von allem probieren.. Als ich mich dann auf ein bis zwei Gerichte pro Mahlzeit beschränkt habe, war es OK!

Ansonsten herrscht dort eine besondere Energie, manche Leute spüren einen Sog (hab ich auch schon wahrgenommen). Jedenfalls kann die Energie bewirken, dass negative Emotionen hochkommen, die spürt man erst einmal, bevor sie sich in Wohlwollen auflösen, es kann z. B. zu Alpträumen kommen. Das ist unangenehm. Spirituelle Reinigung kann unangenehm sein. So eine Reinigung wirkt sich aber nicht nur auf einen selbst sondern auf den ganzen Planeten positiv aus. Wir Menschen haben da noch viel zu tun..

Sorry Christiana, sei mir jetzt nicht böse, aber genau das meine ich:

 

Das hatte nichts mit "Spiritueller Reinigung" zu tun und es ist Quatsch, jeden negativen Gedanken oder Unwohlsein bei Yoga Vidya damit schönreden zu wollen.

Und von Energie und einem Sog kann da nicht die Rede sein. Man kann sich auch viel einreden, wenn man möchte.Und ganz ehrlich: Mich ärgert es, wenn jeder immer meint, das wäre ganz normal, man müsse diesen Weg erstmal zu Ende gehen, erst spirituell reinigen und wachsen bla bla bla........!

Man kann auch spirituell sein, ohne abzudrehen und den Sinn für die Realität zu verlieren.

Prominentes Beispiel: der Dalai Lama! Warum wird dieser Mensch wohl so geliebt und geachtet? Weil er tiefgreifende, tiefgründige, spirituelle Weisheiten und Lebensweisheiten von sich gibt  - > aber in einer Art verpackt, die NICHT jenseit von Realiät ist, sondern von jedem nachvollzogen und gelebt werden kann.

 

Durcheinander essen, weil man gerne alles ausprobieren möchte, kann sein, ist für mich aber auch nur wieder Schönfärberei.

Bei den meisten führten ungewohnte Gemüsesorten, oder viele Gewürze zu der Unverträglichkeit. Das ist nichts Schlimmes, der Körper macht da eine Umstellung durch, aber an Blähungen ist da nichts schön zu reden!

Ich bin lange Vegetarier mit der starken Tendenz zum Veganer..............ganz ehrlich: Ich hab noch nie so schlecht vegetarisch gegessen wie dort. Oft eine grün-braune Matsche-Pampe und die Gewürze völlig überdosiert. Und egal was es gab, es schmeckte immer irgendwie gleich. Was war ich froh, dass es dort Obst und Gemüse/Salat gab!

 

Ne, muss alles nicht sein. Nimm mir das bitte nicht übel  - > geschrieben kommt sowas immer recht grob rüber. Ich freu mich für Dich, wenn´s Dir da so gut gefällt und das tut es ja vielen, sonst würde der Verein nicht überleben!

Und ich finde Menschen die "anders" sind und "anders leben" immer toll und eine Bereicherung für mein Hirn:-) Aber in diesem Fall fand ich es dort nicht bereichernd, sondern beängstigend und ich bin aus Eigenschutz gegangen, damit ich danach noch ICH bin und nicht jemand anders.

Ich liebe mein "normales" Leben und lese lieber meinen Hunden aus der Bhagavad Gita vor, als mir im Gesicht einen Muskelkrampf vom Dauerlächeln zu holen und 6-jährigen die Puja beizubringen.

Hallo Annika,

ich war ja noch nie in einem Yoga Vidya Ashram, daher kann ich auch nichts aus eigener Erfahrung dazu beitragen, aber wenn kleine Kinder über Räucherstäbchen bei Pujas sprechen ist das für mich nichts anderes, als wenn kleine Messdiener (von denen ich selbst mal eine war) darüber sprechen, an welcher Stelle des Gottesdienstes die Glocken geleutet werden müssen. Ein Ritual ist ein Ritual ist ein Ritual... ;-)

Zu den Essensunverträglichkeiten, das hatte ich in der ersten Woche im Ashram in Indien auch. Ich bin zwar Veganerin, esse aber selten Hülsenfrüchte und dort gabs die in jeglicher Form, morgens mittags und abends. Als wir an unserem letzten Abend selbst kochen durften und es mit dem Knoblauch doch extrem übertrieben haben, waren die Magenprobleme dann aber noch schlimmer. Mir fällt gerade ein, da ich im Januar wieder hinfliege, sollte ich vielleicht schon jetzt mehr Bohnen und Linsen essen *grins*

 

Viele Grüße,

Cara

Hallo Cara,

 

das sehe ich genauso. Mich hat es nur erschreckt, dass die Kinder dort in einem Alter man Dingen konfrontiert werden, ohne schon soweit zu sein, selbst entscheiden zu können, ob sie überhaupt Bock drauf haben. So gibt es dort zum Beispiel einen Ausbilder, auf dem Weg zum Mönch werden, der seit 6 Jahren nur noch gelb trägt, bald ein Schweigejahr macht usw. Wie erklärt er seinem 6 -jährigem Sohn, der dort lebt, das Papa bald nicht mehr sprechen darf????

 

Es ging mir auch nicht um die Unverträglichkeit beim Essen................sowas kann einem auch im Urlaub und zu Hause passieren. Sondern darum, dass man etwas nicht verträgt , Blähungen und Durchfall hat, aber es " voll supi " findet!!!!!

 

 

love it :o)

Die Yogis haben echt einen Knall.

Blähungen als spirituelle Reinigung im Namen der Erleuchtung

  Mc Vidya - The Swami is everywhere

 

 

  Wenn Sie sich schon länger in der Yoga-Szene tummeln sollten, dann haben Sie bestimmt schon mal Bekanntschaft mit Yoga Vidya gemacht. Das ist praktisch ein ganz normaler Vorgang. Denn Yoga Vidya ist einer der größten Yoga-Anbieter in Europa. Wenn nicht sogar in Deutschland.

Deshalb ist das Tolle an diesem Verband auch: egal in welche Stadt Sie kommen, ein Yoga Vidya Zentrum steht schon da. Genau wie die Filiale einer berühmten Fast Food Kette. Richtig - die mit dem großen, gelben Buchstaben.

  Natürlich drängt sich da manch einem angesichts dieser beeindruckenden Standortpräsenz die Frage auf: Was macht diese beiden Unternehmen eigentlich so erfolgreich? Bei der Fast Food Kette ist es bekanntermaßen die hohe Qualität ihrer Produkte. Und bei Yoga Vidya? Vergleichen wir doch einmal die Angebote dieser beiden Marktführer. Hier das Schnellrestaurant mit kaum mehr als zwölf unterschiedlichen Burgern. Dort die Rishikesh-Reihe mit kaum mehr als zwölf unterschiedlichen...aha!

  Aber ist die Erklärung wirklich so simpel? Ich persönlich glaube ja, daß der Erfolg von Yoga Vidya im Stalking, pardon, im Marketing begründet liegt. Befindet man sich anschriftstechnisch einmal in der Datenbank dieses Yoga Verbandes, bekommt man in regelmäßigen Abständen - gefühlt etwa alle zehn Minuten - einen halben Lastwagen an Werbeprospekten zugeschickt. Der stete Tropfen höhlt den Stein. Irgendwann ist man dann "weichgeklopft" und geht wie fremdgesteuert zu einem der beworbenen Yoga-Kurse. Schon allein um den fleissigen Werbeprospekt-Verteilern zu entkommen. Ist es nicht so?

  Vor Ort, übt man dann die berühmte Rishikesh-Reihe. Also, wie bereits angedeutet, genau zwölf Asanas, in immer der gleichen Reihenfolge. Gut, das klingt vielleicht erstmal wenig spannend. Aber hey, beim Liebemachen ist es doch genauso: zwölf Stellungen (seien wir ehrlich: oft sogar deutlich weniger) und trotzdem hat man Spaß...

  Aber im Ernst: Natürlich ist eine clevere Marketing-Strategie um die Rishikesh-Reihe nicht der einzige Grund für den großen Erfolg von Yoga Vidya. Denn die "Vidyas" bieten in Wirklichkeit weit mehr an: Diverse Atem- und Meditationsübungen, sowie Anleitungen für Positives Denken, und nicht zu vergessen: Ernährungs- und Prospektverteilungstipps. Darüberhinaus werden  auch Yogalehrer-Ausbildungen angeboten. Über sage und schreibe vier Wochen. Was manche sogar als zu lange empfinden. Und das meiner Meinung nach völlig zu Recht. Schließlich sind andere Ausbildungen um einiges kürzer. Zum Beispiel die Jodel-Ausbildung mit Jodel-Diplom. Die geht nur über ein Wochenende. Zwar nicht bei Loriot - da geht sie über zwei Jahre - doch was soll´s? Auf jeden Fall hat man dann was in der Hand. Gerade als Frau. Aber ich schweife ab...

  Auch genial an Yoga Vidya ist, daß die so viele unterschiedliche Fortbildungsmöglichkeiten im Programm haben. Neben der Ausbildung zum Yogalehrer können Sie sich bei Yoga Vidya unter anderem auch zum Entspannungskursleiter, zum Heilpraktiker, zum Hellseher (kein Scherz) oder zum Feuerwehrmann (Scherz) ausbilden lassen. Da fällt die Entscheidung natürlich schwer. Aber dafür gibt´s bestimmt auch eine Ausbildung.

  In gewisser Weise "berühmt" ist Yoga Vidya für seine relativ strenge Hausordnung in den Ashrams. So darf man unter anderem keinen Alkohol und kein Fleisch dorthin mitbringen. Und auch nicht konsumieren. Dementsprechend überrascht war ich, als ich neulich beim Satsang eine Frau mit einem Wurstbrot sah. Da wäre mir beinahe die Kippe in den Flachmann gefallen...

  Okay, das war jetzt frei erfunden. Aber der nun folgende Dialog hat sich genau so zugetragen. Ich schwör´s. Oder auch nicht. Wie auch immer, ich stand am Check In in Bad Meinberg und stellte der für Zimmer-Reservierungen zuständigen Yogini hinter der Theke folgende Frage:

"Hat mein Zimmer eigentlich auch eine Mini-Bar?"

Darauf sie:

"Mit Sicherheit nicht. Alkohol ist hier verboten."

"Ach..."

"Ja, sogar strengstens. Ebenso Fleisch."

"Fleisch ist auch verboten? 

"Steht alles in der Hausordnung."

"Und was ist mit Fisch?"

"Verboten."

"Und Fischstäbchen?"

"Auch."

"Die bestehen praktisch nur aus Panade."

"Trotzdem. Wir sind strikt gegen jeglichen Verzehr von Fisch , Fleisch

  und    Geflügel."

"Seid Ihr auch strikt gegen Ausländer?"

"Wie kommst du denn darauf?"

"Na, weil hier überall Bilder von Glatzköpfen hängen."

"Das ist Swami Sivananda. Ein erleuchteter Yoga-Meister."

"Ja, nee, is klar..."

"Diesem Glatzkopf, wie du ihn nennst, verdanken wir hier praktisch alles.  

  Den Ashram, die Yoga-Stunden, das shanti om..."

"Chantré?"

"Ähem, jetzt hör mal, ich hab hier noch einiges zu erledigen. Wenn du also 

  keinen Wunsch mehr hast..."

"Doch habe ich."

"Und zwar?"

"Ein Raucherzimmer..."

  Bei dem Wort "Raucherzimmer" tauchte plötzlich wie aus dem Nichts der Leiter des Ashrams hinter mir auf, packte mich am Kragen und beförderte mich - ich glaube einen Nikotinkaugummi kauend - wortlos nach draußen. Wo ich dann anfing wie wild Drogen und Schweinerippchen zu konsumieren. Doch wieder reingelassen wurde ich trotzdem nicht. Schade.

Der so plötzlich aufgetauchte spirituelle Gründer und Leiter des Ashrams heißt übrigens Sukadev Bretz und sieht auf den ersten Blick wie ein stinknormaler Diplom-Kaufmann aus, zu dem auch der Name "Volker" passen könnte.

  Die Lehren, die Herr Bretz verbreitet, stammen allesamt vom, oben bereits erwähnten, Swami Sivananda, dem man - nebenbei bemerkt - nachsagt eher bescheiden gewesen zu sein und dessen Konterfei man vermutlich genau aus diesem Grund in jeden einzelnen Raum der Yoga Vidya Ashrams aufgehängt hat - außer auf dem Klo.

   Allerdings nicht nur Sivanandas Konterfei, sondern auch Klosprüche sucht man auf den Klos vergeblich. Selbst der bekannteste Spruch von Swami Sivananda ist dort unverständlicherweise nicht zu finden. Wie der Spruch ging? Ganz einfach: "Ein Gramm Praxis ist besser als..." Nein, moment, er ging anders, nämlich so: "Ein simpler Flyer ist manchmal besser als Tonnen von Werbe-Material." Unter uns gesagt: Ich vermute damit wollte Sivananda die Marketing-Strategie einer gewissen Fast Food Kette in Frage stellen. Richtig, die mit dem großen, gelben Buchstaben. Ein kluger Mann der Glatz...äh, der Swami.

 

 

 

 

 

RSS

© 2019   Copyright howtobegood | Tipps der Redaktion: Werbeagentur Münster   Powered by

Badges  |  Problem melden  |  Nutzungsbedingungen